Schönes Licht ist nicht immer das richtige Licht
Diesem sogenannten richtigen Licht kam ich sehr nahe bei Katharina Wagners Inszenierung von «Tristan und Isolde» in Bayreuth 2015. Die Bilder trage ich immer noch in meinem Kopf – die Arbeit war ein Meilenstein in meinem beruflichen Leben. Im «Tristan» symbolisiert die Nacht bekanntlich die innerliche Welt der wahren, uneingeschränkten Liebe, im Gegensatz steht der Tag für die äußerliche Welt der (Selbst-) Täuschung durch gesellschaftliche Zwänge wie dem Streben nach Ruhm und Ehre.
Die Vorgaben durch das sensationelle Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann und die Ankündigung der Regisseurin, sie wolle nur Dunkelheit, ließ Spannendes erwarten. Wir ließen uns von Adolphe Appias Satz leiten: «Wir wollen auf der Bühne die Dinge nicht mehr so sehen, wie wir wissen, dass sie sind, sondern so, wie wir sie empfinden.» Durch Katharinas Hartnäckigkeit in Sachen radikale Dunkelheit auf der Bühne lernte und merkte ich immer mehr, dass sie tatsächlich starke Intimität erzeugt, die inneren Zustände verstärkt und gleichzeitig den Zuschauer näher an das Geschehen holt. Teilweise waren wir an der Grenze zur Sichtbarkeit, und das war absolut richtig. (Man darf nicht vergessen, dass das Auge ein ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Serie, Seite 56
von Götz Thieme
Die Irish National Opera hat, wie die meisten Kompanien, die Spielzeit 2020/21 vorerst über Bord werfen müssen. Ob und in welcher Form es noch klappt mit Tom Johnsons «Four Note Opera» oder Vivaldis «Bajazet», Puccinis «Bohème» oder Gerald Barrys «Alice’s Adventures Under Ground», wird sich zeigen. Stillhalten kann sich niemand leisten im Moment, doch die INO ist...
JUBILARE
Gabriele Schnaut studierte Musikwissenschaft und Violine in Mainz und absolvierte anschließend ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Elisa Cavelti. Als Alt-Solistin in den Kantaten und Oratorien Bachs machte sie bereits während ihres Studiums, das sie als Stipendiatin der Studienstiftung des...
Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der...
