Schöne Gesten
New York im Licht: Nach 18 Monaten der Stille öffnete die Metropolitan Opera wieder ihre Pforten – mit einer bewegenden Aufführung von Verdis «Requiem» unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Den Anlass bildete der 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center. Der gemeinsam mit dem 9/11 Tribute Museum initiierte Abend wurde live vor dem Opernhaus und im Fernsehen übertragen. Er bot insbesondere Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Terrorakts die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Teilnahme.
54 Mal hat die Met Verdis Meisterwerk bereits programmiert, erstmals 1901, im Todesjahr des Komponisten. Legendär wurden 1964 die Konzerte mit Georg Solti am Pult und zu Ehren des ein Jahr zuvor ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Der Mitschnitt dieser Aufführung hat sich als energiegeladene, hochemotionale Erfahrung tief in das Bewusstsein des New Yorker Publikums eingeprägt. Nézet-Séguins aktuelle Interpretation ist nicht ohne gelegentliche stimmliche und instrumentale Makel, hier und da auch etwas zu frei im Tempo, insgesamt aber klug ausbalanciert. Vor allem der kraftvolle Gesang des großbesetzten Met-Chors nimmt für sich ein. Und mögen die durchweg einheimischen ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 74
von David Shengold
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo...
Gerade die einfachsten Fragen sind oft die heikelsten. Und sie bringen selbst höchst kluge Köpfe in stammelnde Verlegenheit. Wie etwa die Frage, was Musik eigentlich sei. Um nicht eine allenfalls halbseriöse Definition zu bemühen, sei hier die satirische Formel des Komponisten und Pianisten Otto M. Zykan zitiert: «Musik ist alles, was nicht nur Gymnastik ist.» Das...
Dafür, dass der Titel des neuen Stücks – «Die Mühle von Saint Pain» (englische Aussprache) – eher Leid und Schmerzen argwöhnen lässt, fängt es gar nicht so düster an im Theater Basel. Der Zuschauerraum bleibt erleuchtet. Und die fünf Figuren, die der Reihe nach erscheinen, führen derart sarkastisch-bissige Dialoge miteinander, dass man meinen könnte, eine Autorin...
