Verlorene Seelen
Das Bild hat sich ins Gedächtnis gebrannt: Angela Denoke, die als Katja Kabanowa im verödeten Springbrunnen zusammenbricht, statt in die Wolga zu springen. 1998 war das, Denoke debütierte mit der Titelpartie von Leoš Janáčeks Oper bei den Salzburger Festspielen. Und in Christoph Marthalers Inszenierung war der Springbrunnen der letzte Rest von Natur zwischen noch trostloseren Plattenbauwänden – für die Kritiker der «Opernwelt» damals die «Aufführung des Jahres», Denoke selbst die «Sängerin des Jahres».
Szenenwechsel.
Am Theater Ulm stehen nun ein paar bürgerliche Möbel verloren in einem ausgetrockneten Flussbett, an den letzten Stützen einer Hausfassade im Hintergrund bröselt das Mauerwerk. Wenn Maria Rosendorfsky als Katja von ihrer verlorenen Kindheit träumt, dann wird ihr eine Schaukel zum Zufluchtsort, verschafft ein wenig Leichtigkeit. Am meisten Angst, sagt Angela Denoke am Tag nach der besuchten Vorstellung am Telefon, habe sie davor gehabt, «dass ich sie zur Kopie von mir selber mache».
Mit «Katja Kabanowa» gibt Denoke ihr Debüt als Regisseurin – an dem Haus, an dem sie selbst ihr erstes Festengagement hatte, von 1992 bis 1996. Das Ulmer Ensemble sei damals «familiär» ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Michael Stallknecht
Zahlreiche Uraufführungen und Theaterskandale hat das Théâtre des Champs-Élysées im teuersten Quartier von Paris einst gesehen, so etwa Strawinskys «Sacre»-Ballett mit Vaslav Nijinsky. Heute ist das Theater ein Spielort des internationalen Konzertbetriebs und exquisiter Opernprodukionen, häufig aus dem Segment der historischen Aufführungspraxis.
Claude Debussys...
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...
Helene Berg gehörte noch zu jenen Künstlergattinnen, die, wie Cosima Wagner oder Alma Mahler, ihren Männern jene Ruhe und Ordnung boten, die diese für ihr Schaffen brauchten. «Ich lösche mich aus und will nur für Dich da sein.» An das am Vorabend der Hochzeit mit einem «Amen» schriftlich bekräftigte Versprechen hielt Helene Nahowski, eine natürliche Tochter Kaiser...
