Schöne Bescherung

Haydns „Orlando Paladino” in Berlin

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Wenn der liebeshungrige und von der Liebe arg enttäuschte Orlando buchstäblich wahnsinnig wird, sieht er eine Hydra vor sich. Da sind René Jacobs und das Freiburger Barockorchester in ihrem Element. Gift und Galle toben aus dem Orchestergraben, und die Hydra steht im Raum wie eine Klangskulptur. Auch sonst hören wir Accompagnato-Rezitative als Klangrede im plastischen Sinn des Wortes: klingende Fragezeichen und Musik, die dreimal unterstreicht; Phrasen mit Punkt und Komma – und manchmal auch, wie beides wegfällt...

Wenn Orlandos Diener Pasquale Sein und Schein vertauscht, dann fiedeln die Geigen, als säße Vivaldi persönlich am ersten Pult. Und wenn die viel geprüfte Angelica, die es, wie viele Blondinen, nicht leicht mit den Männern hat, ihr «Dove son?» klagt, dann klagt die Solo-Oboe mit ihr: Passionsgeschichten, die von Herzen wieder zu Herzen gehen. Letzteres liegt daran, dass Marlis Petersen diese Angelica mit lyrischem Wohllaut ausstattet und, wenn es sein muss, auch mit virtuosen Koloraturkaskaden. So viel kunstvolle und feinsinnig empfundene Wahrheit schafft an diesem Abend sonst niemand auf der Bühne.
Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Berliner Staatsoper grosso modo ...

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Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Stephan Mösch

Vergriffen
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