Schöne Bescherung

Haydns „Orlando Paladino” in Berlin

Opernwelt - Logo

Wenn der liebeshungrige und von der Liebe arg enttäuschte Orlando buchstäblich wahnsinnig wird, sieht er eine Hydra vor sich. Da sind René Jacobs und das Freiburger Barockorchester in ihrem Element. Gift und Galle toben aus dem Orchestergraben, und die Hydra steht im Raum wie eine Klangskulptur. Auch sonst hören wir Accompagnato-Rezitative als Klangrede im plastischen Sinn des Wortes: klingende Fragezeichen und Musik, die dreimal unterstreicht; Phrasen mit Punkt und Komma – und manchmal auch, wie beides wegfällt...

Wenn Orlandos Diener Pasquale Sein und Schein vertauscht, dann fiedeln die Geigen, als säße Vivaldi persönlich am ersten Pult. Und wenn die viel geprüfte Angelica, die es, wie viele Blondinen, nicht leicht mit den Männern hat, ihr «Dove son?» klagt, dann klagt die Solo-Oboe mit ihr: Passionsgeschichten, die von Herzen wieder zu Herzen gehen. Letzteres liegt daran, dass Marlis Petersen diese Angelica mit lyrischem Wohllaut ausstattet und, wenn es sein muss, auch mit virtuosen Koloraturkaskaden. So viel kunstvolle und feinsinnig empfundene Wahrheit schafft an diesem Abend sonst niemand auf der Bühne.
Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Berliner Staatsoper grosso modo ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Entführung aus dem Fundus

Louis Spohr spielt als Opernkomponist nur eine Nebenrolle im Repertoire. Allenfalls «Jessonda» und seine Vertonung des Faust-Stoffes sind ab und an zu sehen. Kaum mehr als eine Ahnung hat sich beim Publikum davon bewahren können, welch einflussreiche und hoch geschätzte Künstlerpersönlichkeit Spohr zu Lebzeiten war. «Avantgardist des Musiklebens seiner Zeit» hat...

Liebeskrank im Kleinflugzeug

Ob Ungarns derzeitiger Kultusminister István Hiller 2005 in Pécs war, als man dort das Trauerspiel «Uriel Acosta» des Berliners Karl Gutzkow (1811-1878) in neuer Übersetzung gab, wissen wir nicht. Doch das bekannteste Zitat daraus dürfte er kennen: «Alles schon da gewesen». Notorisch geläufig mag ihm der Spruch vielleicht auch im Zusammenhang mit der Budapester...

Referenzaufnahme

Im November 2002 feierte an der Berliner Staatsoper Schostakowitschs «Die Nase» unter Kent Nagano Premiere – eine Aufführung, die vor allem wegen des Bühnenbildes und der Kostüme von Jörg Immendorff größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Sechs Jahre später gab das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev in der Deutschen Oper ein mehrteiliges Gastspiel – auf...