Schöne Bescherung

Pfitzners «Christelflein» in einer ­Neuaufnahme des Bayerischen ­Rundfunks bei cpo

Opernwelt - Logo

Als kleiner Junge stand auch ich oft mit leuchtenden Augen vor dem Weihnachtsbaum, und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Trotzdem empfinde ich Pfitzners «Christelflein» als ein ziemlich ungenießbares Machwerk. Denn hier kommt zusammen, was absolut nicht zusammengehört. Dräuendes Erlösungspathos und affektierte Kindlichkeit, nachwagnerische Leitmotivik und gestelzt zitierte Weihnachtslieder, Pfitzners strenger und spröder Tonsatz kollidiert ständig mit dem süßlichen Text.

Mit einer Ausnahme: In der musikalischen Beschreibung der Christkindchen-Sphäre greift er derartig in den Honigtopf, dass daneben Humperdincks «Vierzehn Englein» wie eine Nulldiät wirken.
Als vorweihnachtliches Theaterangebot hat sich «Das Christelflein» mit gutem Grund nicht gegen «Hänsel und Gretel» durchsetzen können. Dass es immer wieder Versuche gibt, es wenigstens in konzertanter Form am Leben zu erhalten, erklärt sich aus der Reputation des Komponisten, dessen konservative Haltung auch als Rebellion gegen den Zeitgeist zu verstehen ist. Die Sehnsucht nach der «heilen Welt» hatte im Kriegsjahr 1917 nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und aller Werte, die es vertrat, auch eine politische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: CDs, Seite 57
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Überzeugendes Heimspiel

Es spricht für die künstlerische Qualität der koopera­tionsfreudigen Sächsischen Staatsoper, wie gründlich andernorts bereits vorgestellte Produktionen für die Dresdner Premiere überarbeitet werden. So geschah es Ende der letzten Saison mit Adriana Hölszkys Bachmann-Oper «Der gute Gott von Manhattan», die in der Semperoper weitaus eindringlicher wirkte als zuvor...

Wagner: Die Walküre

Wie schon im «Rheingold» stellt Christine Mielitz bei ihrer «Walküren»-Deutung die Abrechnung mit den Überirdischen, auf die Richard Wagner das irdische Versagen menschlicher Beziehungen und Verflechtungen projiziert, in den Mittelpunkt. Mielitz’ entlarvende Regie ist politisch und gesellschaftlich klar auf heute bezogen. Manches gelingt ihr befreiend und...

Historische, biblische und mythologische Frauen

Nach dem Festival kamen die Abrissbagger. Das Theatre Royal, das fünfundfünfzig Jahre lang das Opernfestival von Wexford beherbergt hatte, ist nicht mehr. Für das Festival selbst und für das irische Opernleben insgesamt sollen jedoch große Zeiten anbrechen: Anstelle des ausgedienten alten Theaters wird ein neues, modernes Opernhaus gebaut, das erste seiner Art...