Schön erzählt
Wer kann, der kann. Kopenhagen hat in den vergangenen Jahren mit durchweg hauseigenen Kräften einen «Ring» auf die Beine gestellt, der länger in Erinnerung bleiben wird als so manche Bayreuther Produktion nach Chéreau. Der dänische Regisseur Kasper Bech Holten erzählt die verschlungene, über Generationen wirkende Geschichte als Rückblende aus der Sicht Brünnhildes, die sich im Augenblick ihrer schwersten Lebenskrise in der Bibliothek auf dem Dachboden klarzuwerden versucht, wie es zur Katastrophe kommen konnte.
Holten siedelt die Handlung in einem nicht näher bestimmten, eigentlich ständig changierenden 20. Jahrhundert an, das selbst mythischen Charakter annimmt. Anfangs weckt er damit die Befürchtung, einmal mehr die Versatzstücke eines leidgewordenen Regietheaters abzuhaken, doch bald wird klar, dass diese Aktualisierungen kein Tribut an den Zeitgeist sind und auch keine Analogie à la «Walhall=Wallstreet» behaupten wollen, sondern als erzählerische Hilfsmittel fungieren, um den alten Mythos für heute wieder lebendig werden zu lassen. Holten hat die politische Ideengeschichte des vergangenen Jahrhunderts zwar im Hinterkopf, aber er drängt uns keine Deutungen auf, setzt uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Benjamin Brittens «Billy Budd» 1951 zum ersten Mal über die Bühne ging, wurde das Stück als eine bedrückende Studie über die zerstörerische Wirkung von Gewalt empfunden. Heute, da Machttypen wie der teuflische Schiffsprofos John Claggart nach wie vor unermessliches Leid anrichten, während die Welt zuschaut, ist der Stoff der Oper unverändert aktuell. Und diese...
Die exorbitanten Benzinpreise hatten offenbar auch viele sonst im eigenen Gefährt anreisende Besucher des Festivals von Glyndebourne dazu veranlasst, wie in alten Zeiten den Zug zu benutzen. Auf jeden Fall war der oben beim Ausgang der pittoresken Bahnstation von Lewes wartende Zubringerbus, ein geräumiger Doppeldecker, bald überfüllt und ließ etwa zwei Dutzend...
«Città del festival» steht auf dem Ortsschild von Martina Franca. Zu Recht, denn eine Reise in das reizvolle Itria-Tal in Süditalien lohnt, weil man Werke hören kann, deren Titel man sonst, wenn überhaupt, nur aus Lexika kennt. Jeweils drei Opern stehen von Mitte Juli bis Anfang August für je zwei Vorstellungen unter freiem Himmel im Innenhof des Palazzo Ducale mit...
