Nach Sonnenfinsternis

Gerhard Persché über die Uraufführung von Peter Eötvös’ Musiktheater «Love and Other Demons» in Glyndebourne

Die exorbitanten Benzinpreise hatten offenbar auch viele sonst im eigenen Gefährt anreisende Besucher des Festivals von Glyndebourne dazu veranlasst, wie in alten Zeiten den Zug zu benutzen. Auf jeden Fall war der oben beim Ausgang der pittoresken Bahnstation von Lewes wartende Zubringerbus, ein geräumiger Doppeldecker, bald überfüllt und ließ etwa zwei Dutzend Menschen zurück, die ihr Heil bei Taxis suchen mussten.

In unserem Falle durchaus ein Gewinn, denn der Fahrer, ein Mann von bukolischer Lebensfreude, erwies sich als amüsanter Cicerone in Sachen Sussex Downs im Allgemeinen und Festival im Besonderen.
So erfuhren wir unter anderem, dass Gus Christie (44), Enkel des Glyndebourne-Gründers und seit einigen Jahren Executive Chairman des Festivals, auch ein sehr guter Cricketer sei: «He could have been a very good profession­al, you know.» Und in der Tat präsentiert Gus sich auf dem Foto des Vorworts zum wie immer opulenten Programmbuch in Jeans und weichem blauen Baumwollhemd betont sportlich, weist Smoking und Fliege sozusagen weit von sich – eine optische Bestätigung seiner dem Vorwort als Headline vorangestellten Deklaration, die Leidenschaft Glyndebournes gelte der Oper nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele I, Seite 28
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Am Scheideweg

Das Rossini-Festival, das seit 1989 alljährlich im Schwarzwaldkurort Bad Wildbad stattfindet, hat sich in den zwanzig Jahren seines Bestehens zu einem Geheimtipp unter Belcanto-Liebhabern gemausert und kann, jedenfalls in musikalischer Hinsicht, durchaus mit den größeren Festspielen in Rossinis Geburtsort Pesaro mithalten. Zwar lassen die örtlichen Gegebenheiten –...

Introvertiert

Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jarouss­ky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barock­opern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarouss­kys Porträtalbum, das die stimmliche und...

Wenn Bilder mehr als tausend Töne sagen

Wagner gibt es in Bayreuth neuerdings mit Weißbier. Und auf dem Liegestuhl. Man kann sich auch die Beine vertreten, in die heiße Sommersonne blinzeln oder in der Kühlbox kramen, wenn Norbert Ernst, der David in Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung, gerade auf einer Riesenleinwand irgendwas von Merkern, Stollen und Abgesängen trällert. Direktübertragung...