Schnell, fremd, unberechenbar

Johan Simons, der neue Intendant der Ruhrtriennale, kommt vom Schauspiel. In seiner ersten Saison setzt er sich aber auch mit Wagners «Rheingold» auseinander und zeigt u. a. Nonos «Prometeo». Hier skizziert er für uns Vorstellungen von einem Musiktheater auf der Höhe seiner Zeit

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In einer Oper genügen fünf Minuten, um einen Krieg glaubwürdig auf der Bühne zu zeigen. Im Schauspiel braucht man dafür vier Tage. Das ist die enorme Kraft der Musik. Wir kennen alle das Klischee des Opernsängers, der minutenlang singt, dass er jetzt abreisen wird. Aber als Schauspielregisseur bin ich davon fasziniert, wie unglaublich schnell Oper sein kann. Genau deswegen kann sie für mich modern sein und in unser Zeitalter passen. Anders als das Schauspiel wird sie aber viel zu oft als etwas «Heiliges» behandelt.

Um zu vermeiden, dass die Oper einen musealen Charakter erhält, muss man bei jeder neuen Produktion versuchen, die Routine zu vermeiden. Ich arbeite diesen Sommer bei der Ruhrtriennale mit Teodor Currentzis an Wagners «Rheingold». Er gehört zu einer jungen Generation von Dirigenten, die für musikalische und dramaturgische Experimente offen sind. Schon in unseren ersten Gesprächen schlug er vor, Wagners Partitur stellenweise aufzubrechen, ihr neue Texte und elektronische Musik hinzuzufügen.  

Anfang Mai traf ich mich mit meinem Dramaturgie-Team, um weiter an der Inszenierung zu feilen. Abends rief die Schauspielerin Sandra Hüller an. Als sie hörte, womit wir uns ...

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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Johan Simons

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