Schnell, fremd, unberechenbar
In einer Oper genügen fünf Minuten, um einen Krieg glaubwürdig auf der Bühne zu zeigen. Im Schauspiel braucht man dafür vier Tage. Das ist die enorme Kraft der Musik. Wir kennen alle das Klischee des Opernsängers, der minutenlang singt, dass er jetzt abreisen wird. Aber als Schauspielregisseur bin ich davon fasziniert, wie unglaublich schnell Oper sein kann. Genau deswegen kann sie für mich modern sein und in unser Zeitalter passen. Anders als das Schauspiel wird sie aber viel zu oft als etwas «Heiliges» behandelt.
Um zu vermeiden, dass die Oper einen musealen Charakter erhält, muss man bei jeder neuen Produktion versuchen, die Routine zu vermeiden. Ich arbeite diesen Sommer bei der Ruhrtriennale mit Teodor Currentzis an Wagners «Rheingold». Er gehört zu einer jungen Generation von Dirigenten, die für musikalische und dramaturgische Experimente offen sind. Schon in unseren ersten Gesprächen schlug er vor, Wagners Partitur stellenweise aufzubrechen, ihr neue Texte und elektronische Musik hinzuzufügen.
Anfang Mai traf ich mich mit meinem Dramaturgie-Team, um weiter an der Inszenierung zu feilen. Abends rief die Schauspielerin Sandra Hüller an. Als sie hörte, womit wir uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Johan Simons
Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist...
Einst ging es eher gediegen, traditionell zu bei Opera Philadelphia. Doch unter Intendant David Devan und Musikchef Corrado Rovaris hat sich die Company neu aufgestellt. Natürlich werden nach wie vor die Klassiker des Repertoires gespielt – oft in der 1856 erbauten Academy of Music. Im Rahmen des 2011 ins Leben gerufenen «American Repertoire Program» rücken jedoch...
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
