Schneidende Wucht
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten Hauptwerken («Holländer», «Tannhäuser») zeitlebens laborierte, schließlich fand, er «schulde» den «Tannhäuser» noch.
In der Tat wirkt der Schluss heikel, ungelöst, unerlöst: Die Erlösung, die dem Irrenden durch das «Weib» zuteil werden soll, bleibt fraglich, auch kompositorisch. Entsprechend angeklebt klingt auch das finale Senta-Motiv schon in der «Holländer»-Ouvertüre. Während die knapp-fatalistische Frühfassung hart die Tröstlichkeit verweigert. Doch das Aufflammen der d-Moll-Ouvertüre gehört zu den packendsten Eröffnungen, würde schon für sich Wagners Rang sichern, analog zum d-Moll-Sturm der «Walküre», deren «Feuerzauber» freilich höchst wirksam flammt.
Auch die Frankfurter Premiere beginnt als tönender Schlag vor den Kopf, so unmittelbar springt einen die hohle Quinte an: ein wahres Sturmstück, ins Frenetische ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard R. Koch
Hervé, mit bürgerlichem Namen Florimond Ronger, ist allenfalls Spezialisten der französischen Operette bekannt. Obwohl er schon 1847, sechs Jahre vor Offenbach, mit neuen Konzepten des komischen Musiktheaters experimentierte, hatten seine «mehrfach überdrehten» (Volker Klotz), bisweilen auch vulgären Grotesken auf Dauer keine Chance gegen die vielleicht weniger...
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und...
Tomaso Albinoni? Kennt man natürlich. Eine Nummer des «dilettante Veneto» gehört in jede ordentliche Barock-Compilation (und sei’s das berühmte Adagio in g-Moll, das Albinoni-Biograf Remo Giazotto in den 1950er-Jahren nachkomponierte), an Aufnahmen seiner concerti a cinque herrscht kein Mangel.
Aber die Vokalmusik? Da dünnt die Diskografie dramatisch aus. Ein paar...
