Schleuderthron
Inszenierte Liederabende, die die Grenze zwischen Konzert und Theater aufheben, sind en vogue. Jetzt hat der vor allem für seine Heiner-Müller-Inszenierungen bekannte Regisseur Thomas Bischoff im Mannheimer Nationaltheater eine Performance mit zwei populären Orchesterliederzyklen, Hector Berlioz’ «Les nuits d’été» und Richard Wagners «Wesendonck-Liedern», präsentiert, die das Premierenpublikum nachhaltig in Bann schlug.
Er schickt darin eine alternde Königin, Angela Denoke in Maske und Robe einer priesterlichen Sybille, auf den Kreuzweg der Erinnerung, der sie mit abgespaltenen, von drei Schauspielern dargestellten Stimmen ihres traumatisierten Unbewussten konfrontiert. Sie flüchtet sich in die Schönheit der Musik, die doch von nichts anderem als von Schwermut und verlorener Liebe weiß, sie mit Gewalt und Tod – szenisch drastisch exekutiertes Waterboarding, Erstechen, Strangulieren – bedroht und so immer tiefer in den Abgrund der eigenen Existenz stürzt. Gleichzeitig erdet Bischoff den magischen Tonfall der Lieder, indem er ihre romantische Traumwelt mit desillusioniert-zynischen Texten der beiden poètes maudits Arthur Rimbaud und Gottfried Benn aufbricht und konterkariert. Dazu ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert
Geliebt wird man nur, wenn man Schwäche zeigen darf. Nicolai Gedda zeigte Schwäche bei einem Liederabend in der Hamburger Oper, den er im Herbst seiner Karriere gab. Im Herbst? Es war am 19. Januar 1998, er war 72 Jahre alt. Am Ende des ersten Teils mit Liedern von Richard Strauss hatte er gegen einen «Frosch im Hals» kämpfen müssen. Nach der Pause, nun mit...
Vierzehn Jahre waren seit der ersten Aufführung des kompletten Werks in London vergangen, als die Frankfurter Oper «Les Troyens» von Hector Berlioz 1983 ebenfalls so gut wie ungekürzt herausbrachte, musikalisch von Michael Gielen ähnlich entzündet wie von dem feuereifrigen Berlioz-Pionier Colin Davis in Covent Garden. Doch szenisch war die Frankfurter Produktion...
Leopold Stokowski, in Deutschland verkannt, andernorts aber hochgradig verehrt – Carlos Kleiber etwa nannte ihn «Stokey, das Genie» – gebot über ein riesiges Repertoire. Nur in der Oper machte sich der Dirigent rar. Immerhin, in den USA präsentierte er erstmals Bergs «Wozzeck» (1931) und Modest Mussorgskys Original-Version des «Boris» (1929). Am bekanntesten und –...
