Schleuderthron
Inszenierte Liederabende, die die Grenze zwischen Konzert und Theater aufheben, sind en vogue. Jetzt hat der vor allem für seine Heiner-Müller-Inszenierungen bekannte Regisseur Thomas Bischoff im Mannheimer Nationaltheater eine Performance mit zwei populären Orchesterliederzyklen, Hector Berlioz’ «Les nuits d’été» und Richard Wagners «Wesendonck-Liedern», präsentiert, die das Premierenpublikum nachhaltig in Bann schlug.
Er schickt darin eine alternde Königin, Angela Denoke in Maske und Robe einer priesterlichen Sybille, auf den Kreuzweg der Erinnerung, der sie mit abgespaltenen, von drei Schauspielern dargestellten Stimmen ihres traumatisierten Unbewussten konfrontiert. Sie flüchtet sich in die Schönheit der Musik, die doch von nichts anderem als von Schwermut und verlorener Liebe weiß, sie mit Gewalt und Tod – szenisch drastisch exekutiertes Waterboarding, Erstechen, Strangulieren – bedroht und so immer tiefer in den Abgrund der eigenen Existenz stürzt. Gleichzeitig erdet Bischoff den magischen Tonfall der Lieder, indem er ihre romantische Traumwelt mit desillusioniert-zynischen Texten der beiden poètes maudits Arthur Rimbaud und Gottfried Benn aufbricht und konterkariert. Dazu ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert
Erinnern Sie sich an den kleinen Kasten in der Mitte der Rampe? Ja, die Hütte des Souffleurs oder der Souffleuse. In vorelektronischen Zeiten mit einem Rückspiegel ausgestattet, später mit Bildschirm und anderem technischen Schnickschnack. Die temporären Bewohner dieses Kastens sprangen ein, wenn einer der Solisten auf der Bühne einen «Hänger» hatte. In Italien gab...
Mittwoch, 8. März. Ich sitze im Flugzeug Richtung Pesaro, jedoch zur falschen Jahreszeit. Es fühlt sich auch falsch an, denn normal herrscht Vorfreude auf unerhörte Belcanto-Schätze, Sänger-Entdeckungen und vor allem die Gesellschaft meines Freundes Alberto Zedda. Er, der das Pesaro Festival kreierte und seit je (beg-)leitet, steht heute ebenso für diese Stadt wie...
Es ist nicht ganz so schlimm, so stimmungstötend wie zuvor in der Messehalle am Rande der Stadt. Das aktuelle Exil der Augsburger Opernsparte liegt dichter am Zentrum und bietet dem Genre, freilich in konzertanter Form, seit Langem ein Zuhause. Und dennoch: 70er-Jahre-Betonschick, etwas Holz, viel Orange, keine Hinter- und Nebenbühne – auch der Kongress am Park...
