Schicht um Schicht
Gegen den Strich» dieses Motto für die letzten von ihr verantworteten KunstFestSpiele Herrenhausen taugt vielleicht auch als Überschrift für die ganzen sechs Jahre, in denen Elisabeth Schweeger versuchte, einen der bedeutendsten Barockgärten Europas, der zuvor meist als Kulisse für Barockes, Kleinkünstlerisches und Feuerwerk diente, für die Moderne zu öffnen. Der Widerstand manch lokaler Kulturpolitiker und Redakteure hielt an. Doch der harte Kern Neugieriger war ebenso standhaft.
Einen harten Kern brauchte man auch in diesem Jahr: Kleinteiliges gab es zwar, wie Marco Stroppas schillernde Klavieretüden «Miniature Estrose» (von Florian Hoelscher beispielgebend vorgeführt und erläutert), vor allem aber wurden gleich mehrere Marathonprogramme geboten, ausschweifende, zeitverlorene Exkursionen. So konnte man bei einer Performance des chinesischen Künstlerpaares Xiao Ke und Zi Han den Akteuren vor Beginn ihrer Körperaktion erst einmal sechs Stunden beim Schlafen zusehen. Danny Yung holte in seinem Musiktheater «Flee by Night» die Tradition des chinesischen Theaters mit sehr wenig Bewegung (und noch weniger Musik) in die Gegenwart. Der «Salto Vocale» der Stimmartisten Christian Zehnder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Rainer Wagner
Lange war Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) für die Forschung persona non grata. Man wollte mit dem Rassentheoretiker, der es im Wilhelminischen Reich zum Bestsellerautor brachte, die Ideologie des Wahnfried-Kreises um Cosima Wagner fermentierte und der schließlich von den Nazis zum «Seher von Bayreuth» überhöht wurde, nichts zu tun haben. Die einzige...
Der dreiviertelstündige Einakter «The Cure» ist bereits das vierte Musiktheaterstück von Harrison Birtwistle, das beim traditionsreichen Sommerfestival in Aldeburgh an der englischen Ostküste uraufgeführt wurde. Den Anfang machte 1968 die Slapstick-Groteske «Punch and Judy», von der kolportiert wird, dass Festivalchef Benjamin Britten, schockiert über die...
Gespenstisch ist das. Weniger der Holländer selbst – eher, was sich in Balázs Kovaliks vieldeutig ironischer Inszenierung von Wagners Oper im Budapester Palast der Künste in den Chorszenen tut. In Reih und Glied, im Gleichschritt marsch, die Augen rechts, manche Gesten sind so hohl, dass ganze Völker darin Platz haben. Wimpel werden geschwungen, Nationalflaggen...
