Schad is'...

Die Festspiele Andechs zerbrechen am Streit mit der Orff-Stiftung – und verabschieden sich mit «Astutuli»

Opernwelt - Logo

Dieser Geist durchwehte ja nicht nur Cosimas Bayreuth. Ein Eishauch, der das Werk einfrieren lässt, das doch nie nur Niederschrift ist, sondern dank sich immer weiterentwickelnde Realisierungen als Gegenwart existieren muss. Veränderungen, andere Sichtweisen – alles Teufelszeug. Wagner, Brecht, lange ließe sich die Reihe der Schöpfer und ihrer orthodoxen Gralshüter fortsetzen, bis hin zu Carl Orff. Ausgerechnet auf dem Andechser «Heiligen Berg», wo er in der Klosterkirche begraben liegt, ist nun sein Festival zerbrochen.



Seit 1998 wurden hoch über dem Ammersee Festspiele gegeben. Zunächst unter der Leitung von Hellmuth Matiasek, dann unter der von Marcus Everding. Letzterem wurde dieses Jahr die Gunst der Geldgeber endgültig entzogen. Dass die Werke «nicht aus der Partitur heraus inszeniert wurden», dazu die «Nichtbeachtung der musikalischen Vorschriften», all das stieß der Orff-Stiftung auf. Wort- und Briefwechsel brachten keine Annäherung, eine besondere, nicht unbedingt rühmliche Rolle spielte dabei der Stiftungsvorsitzende. Komponist Wilfried Hiller will seinem Lehrer «auf dem Totenbett» das Wachen übers Œuvre versprochen haben. Irgendwann hatte das Kloster, Hausherr und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Hohles Pathos

Die neue Oper von Marco Tutino schöpft aus beachtlichen Quellen: Alberto Moravias Roman und dessen 1960 erschienener Verfilmung in der Regie von Vittorio de Sica. In den kriegszerrütteten Jahren 1943-1945 kehrt Cesira (Sophia Loren) mit ihrer Tochter Rosetta aus Rom zurück in ihr Heimatdorf im ländlichen Italien. Sie werden verfolgt von Nazis und Faschisten, von...

Zeitlos aktuell

Von den drei überlieferten Opern Claudio Monteverdis hatte «Il ritorno d’Ulisse in patria» die geringste Breitenwirkung. Homers Dramenstoff um die späte Heimkehr des Odysseus in sein Königreich Ithaka, wo nur noch die treue Gattin Penelope und der Sohn Telemach an seine Wiederkunft glauben, ist bis heute aktuell. Man denke etwa an die Soldaten, die zehn Jahre nach...

Ohne Donner geht's nicht

Man trägt Fell auf dem roten Teppich der Internationalen Maifestspiele. Oscar, der Hund des Intendanten, ist den Besuchern des Hessischen Staatstheaters aus der Lokalpresse bestens bekannt. Uwe Eric Laufenberg eröffnet die Festspiele mit dem Versprechen, «bestmögliche Qualität» zu bieten. Das Bestmögliche an diesem Abend ist eine eingekaufte Produktion: Brittens...