Schad is'...
Dieser Geist durchwehte ja nicht nur Cosimas Bayreuth. Ein Eishauch, der das Werk einfrieren lässt, das doch nie nur Niederschrift ist, sondern dank sich immer weiterentwickelnde Realisierungen als Gegenwart existieren muss. Veränderungen, andere Sichtweisen – alles Teufelszeug. Wagner, Brecht, lange ließe sich die Reihe der Schöpfer und ihrer orthodoxen Gralshüter fortsetzen, bis hin zu Carl Orff. Ausgerechnet auf dem Andechser «Heiligen Berg», wo er in der Klosterkirche begraben liegt, ist nun sein Festival zerbrochen.
Seit 1998 wurden hoch über dem Ammersee Festspiele gegeben. Zunächst unter der Leitung von Hellmuth Matiasek, dann unter der von Marcus Everding. Letzterem wurde dieses Jahr die Gunst der Geldgeber endgültig entzogen. Dass die Werke «nicht aus der Partitur heraus inszeniert wurden», dazu die «Nichtbeachtung der musikalischen Vorschriften», all das stieß der Orff-Stiftung auf. Wort- und Briefwechsel brachten keine Annäherung, eine besondere, nicht unbedingt rühmliche Rolle spielte dabei der Stiftungsvorsitzende. Komponist Wilfried Hiller will seinem Lehrer «auf dem Totenbett» das Wachen übers Œuvre versprochen haben. Irgendwann hatte das Kloster, Hausherr und ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Markus Thiel
Eugène Scribe war der erfolgreichste Librettist des 19. Jahrhunderts. In der Theatergeschichte ist sein Einfluss allein mit demjenigen Metastasios, des Präzeptors der Opera seria im 18. Jahrhundert, zu vergleichen. Nicht nur Meyerbeers große Opern, Donizettis «Dom Sébastien» oder Verdis «Les Vêpres siciliennes» entstammen seiner Werkstatt, sondern auch – als mehr...
Opera Holland Park ist unter anderem deshalb so beliebt, weil hier al fresco-Freuden ohne Roben, endlose Dinner-Pausen und das ganze Brimborium zu haben sind. Das Festival hat sich außerdem mit Verismo-Raritäten wie Wolf-Ferraris «I gioelli della Madonna», Mascagnis «L’amico Fritz» und Montemezzis «L’amore dei tre» einen Namen gemacht. Schon letztes Jahr gab es...
Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre...
