Scherz und Schmerz

Verdi: Rigoletto Zürich / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grau­samer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine Tochter zurückgeben. Auch musikalisch beherrscht der Bariton diese Charakterisierungskunst.

Selbst in den dramatischen Höhepunkten wie in seiner vom Orchester aufgepeitschten Tirade gegen die Höflinge (Cortigiani) bleiben seine wunderbar ausgesungenen Phrasen geschmeidig. Und wenn ­Rigoletto am Ende seine von Sparafucile (mit schwarzem Bass: Christof Fischesser) getötete Gilda als Double im Arm hält, während sich die echte endgültig vom Vater löst und ein neues Leben beginnt, sieht und hört man einen gebrochenen Mann.

Für Regisseurin Tatjana Gürbaca ist Verdis Oper die Geschichte einer Emanzipation. Gilda ist zu Beginn ein schüchternes Mädchen, das gern  Nutella isst und beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Herzog (mit fabelhafter Höhe und großer Strahlkraft: Saimir Pirgu) aufgeregt hin- und hertrippelt, ehe die beiden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger

Weitere Beiträge
«Musik erschöpft sich nicht in Tempo und Dynamik»

Sie werden jetzt siebzig, kamen als Dirigent erst spät ins internationale Geschäft und haben nach dem Weg über Halle, Zwickau und Dresden Ihre erste Chefposition in Schwerin gehabt. Die Tendenz geht heute in die ­andere Richtung: Nicht einmal der Posten des Ersten Kapellmeisters an großen Häusern ist wirklich begehrt. Junge Dirigenten wollen sofort Chefs werden,...

Knallige Pastellfarben

Ein lang anhaltendes Tiefdruckgebiet liegt über den Opernhäusern der mecklenburgischen Ostseeküste. Seit Jahren lauert die Fusion von Schwerin und Rostock, zwei Städten, die sich traditionell nicht grün sind. Das Ministerium hat eine Münchner Managementfirma beauftragt, entsprechende Szenarien auszuarbeiten, wieweit sie umgesetzt werden, ist immer noch unklar. Der...

Aufbruch vertagt

Ach, diese Jugendsünden. 40 Orchester habe er früher einmal kurz hintereinander dirigiert. Es gab sogar eine Zeit, da habe ihn sein Management zum Rekord getrieben: 15 US-Klangkörper in ­einem Jahr. «Und ich habe gedacht, das alles ist gut.» Valery Gergiev, der Geläuterte? Von «Konzentration» spricht er mittlerweile, nur die garantiere «seriöse Ergebnisse». Der...