Scherz und Schmerz

Verdi: Rigoletto Zürich / Opernhaus

Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grau­samer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine Tochter zurückgeben. Auch musikalisch beherrscht der Bariton diese Charakterisierungskunst.

Selbst in den dramatischen Höhepunkten wie in seiner vom Orchester aufgepeitschten Tirade gegen die Höflinge (Cortigiani) bleiben seine wunderbar ausgesungenen Phrasen geschmeidig. Und wenn ­Rigoletto am Ende seine von Sparafucile (mit schwarzem Bass: Christof Fischesser) getötete Gilda als Double im Arm hält, während sich die echte endgültig vom Vater löst und ein neues Leben beginnt, sieht und hört man einen gebrochenen Mann.

Für Regisseurin Tatjana Gürbaca ist Verdis Oper die Geschichte einer Emanzipation. Gilda ist zu Beginn ein schüchternes Mädchen, das gern  Nutella isst und beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Herzog (mit fabelhafter Höhe und großer Strahlkraft: Saimir Pirgu) aufgeregt hin- und hertrippelt, ehe die beiden ...

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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger

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