Scherz und Schmerz
Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grausamer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine Tochter zurückgeben. Auch musikalisch beherrscht der Bariton diese Charakterisierungskunst.
Selbst in den dramatischen Höhepunkten wie in seiner vom Orchester aufgepeitschten Tirade gegen die Höflinge (Cortigiani) bleiben seine wunderbar ausgesungenen Phrasen geschmeidig. Und wenn Rigoletto am Ende seine von Sparafucile (mit schwarzem Bass: Christof Fischesser) getötete Gilda als Double im Arm hält, während sich die echte endgültig vom Vater löst und ein neues Leben beginnt, sieht und hört man einen gebrochenen Mann.
Für Regisseurin Tatjana Gürbaca ist Verdis Oper die Geschichte einer Emanzipation. Gilda ist zu Beginn ein schüchternes Mädchen, das gern Nutella isst und beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Herzog (mit fabelhafter Höhe und großer Strahlkraft: Saimir Pirgu) aufgeregt hin- und hertrippelt, ehe die beiden ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger
Mitunter überlebt Vergessenes oder Ausgeblendetes nahezu unbemerkt in Werken, die längst zum Kanon gehören. Wie jenes Zitat aus dem sechsten der Acht Lieder op. 6 (1903), das Schönberg in seinem 1924 unter Leitung Zemlinskys in Prag uraufgeführtem Monodram Erwartung op. 17 (1909) verwendet. Adorno hat in der Philosophie der neuen Musik darauf hingewiesen. Nun...
Walt Disneys Comic- und Filmfiguren sind auch in Spanien überaus populär. Wohl deshalb war das Interesse der Madrider Medien an der jüngsten modernen Oper, die Gerard Mortier am Teatro Real herausbrachte, größer als je zuvor. Dabei treten Mickey Mouse und Donald Duck in der Disney-Oper von Philip Glass überhaupt nicht auf, sie erschienen nicht einmal in dem...
Fesch sind sie beide, doch in ihrer Erscheinung unterscheiden sie sich deutlich: Klaus Florian Vogt, der blonde deutsche Held, und Jonas Kaufmann, der «Latin Lover» aus München. Ihr Singen entspricht dem äußeren Bild: Hell, fast weiß – für seine Fans wie Sekt, für weniger Begeisterte wie Selters – klingt die Stimme Vogts; jene Kaufmanns hat die rubinrote Farbe...
