Schein, Sein und das Nichts
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch im weiteren Verlauf des Abends die Stichworte liefern wird, hockt Méphistophélès im Schatten und brütet vor sich hin.
Weil aber jeder General auch seinen Adjutanten braucht und Frauen im Regiment ohnehin dazugehören, hat Regisseur Kasper Wilton dem Teufel am Theater Lübeck eine Gehilfin zur Seite gestellt (Samantha Höfer), die all jene Dienste verrichtet, die der Magier nicht willens ist selbst zu übernehmen; vor allem als Marguerite Spiegelbild macht sie sich sehr gut.
Ein starkes, wandlungsfähiges Team sind die beiden ohnehin, er meist maliziös und dabei märchenonkelhaft grinsend, sie dienstbar, geschmeidig, wendig. Allerdings hat das düstere Gespann hier auffallend leichtes Spiel, denn die Individuen und ebenso die versammelte Soldateska zeichnen sich vor allem durch eines aus: durch Verführbarkeit. Der wilden Horde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Jürgen Otten
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von allen anderen Häusern weltweit bilden wir die Daten zu den Premieren ab.
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.thea...
Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...
Stimmschön
Seit ihrem Sieg beim Operalia-Wettbewerb 2019 hat sie eine steile Karriere hingelegt. Und vor allem als Mozart-Interpretin ist Adriana González dabei in Erscheinung getreten: Sie sang Despina, Zerlina, Susanna, Contessa, Fiordiligi und glänzte in all diesen Rollen mit einer lyrisch gefüllten Stimme sowie einer staunenswerten Technik. Ein Porträt
Traditio...
