Schein, Sein und das Nichts
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch im weiteren Verlauf des Abends die Stichworte liefern wird, hockt Méphistophélès im Schatten und brütet vor sich hin.
Weil aber jeder General auch seinen Adjutanten braucht und Frauen im Regiment ohnehin dazugehören, hat Regisseur Kasper Wilton dem Teufel am Theater Lübeck eine Gehilfin zur Seite gestellt (Samantha Höfer), die all jene Dienste verrichtet, die der Magier nicht willens ist selbst zu übernehmen; vor allem als Marguerite Spiegelbild macht sie sich sehr gut.
Ein starkes, wandlungsfähiges Team sind die beiden ohnehin, er meist maliziös und dabei märchenonkelhaft grinsend, sie dienstbar, geschmeidig, wendig. Allerdings hat das düstere Gespann hier auffallend leichtes Spiel, denn die Individuen und ebenso die versammelte Soldateska zeichnen sich vor allem durch eines aus: durch Verführbarkeit. Der wilden Horde ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Jürgen Otten
Medea tanzt. Doch nicht im walzerseligen Dreiertakt schwebt die Zauberin über die Bühne. In ihrem heftigen Zucken wohnt der pure Zorn. Aber auch ein bisschen Traurigkeit und Verzweiflung. Denn diese Medea weiß sich (noch) keinen Rat, wie sie da durchs maschendrahtumhüllte Gehege fegt im güldenen Gewand (ist es womöglich mit dem Stoff jenes Goldenen Vlieses...
Der Auftrag kam von höchster Stelle. Kein Geringerer als Louis XIV persönlich wünschte sich von seinem surintendant de la musique du Roy für die Karnevalsfeierlichkeiten des Jahres 1675, zu denen er europäische Politprominenz an den Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye einzuladen gedachte, ein dem Anlass würdiges Bühnenwerk. Und Jean-Baptiste Lully, wissend,...
Im Teatro Comunale di Modena ist man stolz auf den Dachboden des Gebäudes. Dort finden sich noch handgemalte Originalplakate aus den ersten Spielzeiten, darunter auch die von 1841, dem Jahr der feierlichen Eröffnung – mit Alessandro Gandinis «Adelaide di Borgogna al castello di Canossa», Saverio Mercadantes «Il bravo» und Vincenzo Bellinis «Beatrice di Tenda». Der...
