Schein, Sein und das Nichts
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch im weiteren Verlauf des Abends die Stichworte liefern wird, hockt Méphistophélès im Schatten und brütet vor sich hin.
Weil aber jeder General auch seinen Adjutanten braucht und Frauen im Regiment ohnehin dazugehören, hat Regisseur Kasper Wilton dem Teufel am Theater Lübeck eine Gehilfin zur Seite gestellt (Samantha Höfer), die all jene Dienste verrichtet, die der Magier nicht willens ist selbst zu übernehmen; vor allem als Marguerite Spiegelbild macht sie sich sehr gut.
Ein starkes, wandlungsfähiges Team sind die beiden ohnehin, er meist maliziös und dabei märchenonkelhaft grinsend, sie dienstbar, geschmeidig, wendig. Allerdings hat das düstere Gespann hier auffallend leichtes Spiel, denn die Individuen und ebenso die versammelte Soldateska zeichnen sich vor allem durch eines aus: durch Verführbarkeit. Der wilden Horde ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Jürgen Otten
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