Der amerikanische (Alb)traum
Die Uraufführung von «X: The Life and Times of Malcolm X» an der New York City Opera 1986 traf im Konservatismus der Ära Reagan sowie der daraus resultierenden Re-Ikonisierung des US-amerikanischen Bürgerrechtlers genau den Zeitgeist. Dennoch wurde das Stück anschließend kaum gespielt. Nach dem (CD- und) Bühnen-Revival durch das Boston Modern Opera Project 2022 war Davis’ Oper über Malcolm X (nach einer Geschichte seines Bruders Christopher und auf ein Libretto seiner Cousine Thulani) nun an der Metropolitan Opera zu erleben.
Die Lesart Robert O’Haras, der sein Regiedebüt an der Met gab, ist optisch reizvoll, überfrachtet die durch Christopher und Thulani fein herausgearbeitete persönliche, religiöse und politische Entwicklung des Titelhelden (von Malcolm Little erst zu Malcolm X und dann zu el-Hajj Malik el-Shabazz) jedoch mit einer allzu ambitionierten Choreografie. Auch Will Livermans nuanciertes, vokal beeindruckendes Malcolm X-Porträt und die nicht minder überzeugenden Leah Hawkins (Louise/Betty) und Raehann Bryce-Davis (Ella) leiden vor allem im ersten Akt unter einem merkwürdig gedämpften Sounddesign – vermutlich eine Folge des imposanten, aber sehr offenen Bühnenbilds von ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 41
von David Shengold
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