Der amerikanische (Alb)traum
Die Uraufführung von «X: The Life and Times of Malcolm X» an der New York City Opera 1986 traf im Konservatismus der Ära Reagan sowie der daraus resultierenden Re-Ikonisierung des US-amerikanischen Bürgerrechtlers genau den Zeitgeist. Dennoch wurde das Stück anschließend kaum gespielt. Nach dem (CD- und) Bühnen-Revival durch das Boston Modern Opera Project 2022 war Davis’ Oper über Malcolm X (nach einer Geschichte seines Bruders Christopher und auf ein Libretto seiner Cousine Thulani) nun an der Metropolitan Opera zu erleben.
Die Lesart Robert O’Haras, der sein Regiedebüt an der Met gab, ist optisch reizvoll, überfrachtet die durch Christopher und Thulani fein herausgearbeitete persönliche, religiöse und politische Entwicklung des Titelhelden (von Malcolm Little erst zu Malcolm X und dann zu el-Hajj Malik el-Shabazz) jedoch mit einer allzu ambitionierten Choreografie. Auch Will Livermans nuanciertes, vokal beeindruckendes Malcolm X-Porträt und die nicht minder überzeugenden Leah Hawkins (Louise/Betty) und Raehann Bryce-Davis (Ella) leiden vor allem im ersten Akt unter einem merkwürdig gedämpften Sounddesign – vermutlich eine Folge des imposanten, aber sehr offenen Bühnenbilds von ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 41
von David Shengold
Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...
Für das Teatro dell’Opera di Roma ist eine Saisoneröffnung mit Arrigo Boitos «Mefistofele» ein eher maßvoll ambitioniertes Unterfangen. Man kennt das Stück, dessen siebenstündige Erstfassung 1868 in Mailand weiland noch durchfiel (die auf weniger als die Hälfte eingekürzte Version setzte sich 1875 in Bologna durch) und in dem Boito eine Art Synthese von...
Im September 2021 hatte der Altist und Regisseur Max Emanuel Cencic bei dem von ihm gegründeten Barockfestival im Bayreuther Markgräflichen Opernhaus Nicola Porporas «Polifemo» inszeniert. Die gleichzeitig entstandene Studioproduktion bestätigt nicht nur den Ausnahmerang des 1735 in Konkurrenz zu Händel in London uraufgeführten Werks, sondern ist eine der...
