Schaugepräge
Man muss sie mögen, die Oper unter freiem Himmel. Tut man das aber, findet man sich ab mit wenig bequemen Sitzgelegenheiten, unfreundlichen Temperaturen und plaudernden Nachbarn. Auch mit dem blechernen Klang des Orchesters, das sich über eine verhältnismäßig bescheidene Verstärkeranlage bemerkbar macht, und dem ebenfalls verstärkten Darsteller, der rechts singt, aber von links klingt. Oper unter freiem Himmel bietet eben anderes, sie spielt zum Beispiel mit der Magie des Ortes – und die ist hoch in Sankt Gallen.
Die Festspiele, welche die Gallusstadt seit einem guten Jahrzehnt zum Ende der Saison und zum Anfang des Sommers ausrichtet, finden ihren zentralen Moment jeweils in einer Opernproduktion vor der mächtigen Fassade der Kathedrale mitten im weiträumigen, von Gebäuden umfriedeten Klosterhof. Was den atmosphärischen Reiz betrifft, kann es Sankt Gallen problemlos mit dem Salzburger «Jedermann», den Bregenzer Festspielen oder der Arena von Verona aufnehmen. Zumal, wenn ein Videokünstler wie Frank Aleu am Werk ist, der die Kathedrale nicht nur einbezieht, sondern ihr mit Hilfe suggestiver Projektionen eine Hauptrolle kreiert. Wann sonst kann man erleben, dass der majestätische ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Hagmann
Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben...
Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im...
Anno 1899 stand Jules Massenet im Zenit seines Ruhms – und seiner handwerklichen Meisterschaft. Er hatte «Werther» in Wien herausgebracht und war mit «La Navarraise», einem Auftragswerk für London, auf der Verismus-Welle mitgeschwommen. Mit der Vertonung von Alphonse Daudets Roman über die Pariser Edelkurtisane «Sapho» wagte er sich an ein bewusst zeitgenössisches...
