Hungriges Meer
Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben wollte. Unter Zweifeln gibt sie sich hin. Als der Trojaner davonsegelt, tötet sie sich selbst.
Zwei unglücklichen Frauen widmet das Theater Coburg seine neueste Produktion: Purcells «Dido and Aeneas» und «Riders to the Sea» von Ralph Vaughan Williams aus dem Jahr 1937. Dass bei dieser Kombination die Reihen selbst zur Premiere ein wenig luftig bleiben würden, konnten sich die Coburger ausrechnen, trotzdem haben sie das Unternehmen gewagt. Zum Glück – nicht nur Purcells bekannte Barockoper, auch Vaughan Williams’ selten gespielter Einakter ist es wert. Die kontrastierenden Kurzopern schlüssig zusammenzuführen, bedeutet eine echte Herausforderung. Dirigent Roland Kluttig gelingt die Verbindung mühelos – beide Opern kommen zu ihrem Recht. Das barocke Gerüst gliedert der GMD akkurat, im Grundton bleibt er zart und filigran. Nach ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Eva Kröner
Theodor W. Adorno vertrat die These, dass die Qualität des Spätwerks den Rang eines Künstlers ausmache. Für Beethoven, Wagner, Bruckner, Janácek trifft dies wohl zu. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Schon bei Schumann wird gestritten, ob die frühen Werke inspirierter seien als die späteren. Bei manchen Komponisten scheinen die «reifen» Werke eher...
Encore
Der katalanische Tenor hatte sich eigentlich schon 2009 verabschiedet. Doch mit fast 70 kehrte José Carreras kürzlich noch einmal auf die Bühne zurück (für Kolonovits’ «El Juez»). Bilanz eines großen Sängerlebens
Auf Nebenpfaden
Anna Prohaska ist von der Deutschen Grammophon zum kleinen Label Alpha Classics gegangen (siehe Seite 22). Ein Gespräch über den...
Eine Fotoausstellung im Foyer stimmt auf die Aufführung ein: von Schrecken gezeichnete Gesichter, die an die Porträts von Häftlingen in deutschen KZs erinnern, Bilder von Hinrichtungen sowie Videos, in denen Gulag-Opfer von ihren Gerichtsverfahren berichten. Auf der dunklen Bühne des Theaters am Gleis in Winterthur nimmt der stumme Schrecken dann klingende Gestalt...
