Schatztruhe

Eine Enzyklopädie im Geiste Diderots: das zweibändige Opus «Musik und Gesellschaft»

Der Philosoph der Aufklärung war skeptisch. Musik, so Immanuel Kant, sei ihrem nichtgegenständlichen Wesen nach auf das Spiel mit unseren Empfindungen beschränkt, somit kaum tauglich zur geistigen Durchdringung. Auch deswegen schätzte er ihren Wert für die «Erweiterung jener Vermögen, die in der Urteilskraft zusammenwirken» als sehr gering ein; Musik habe ihren Sinn nur geborgt.

Immerhin, so räumte er gleich im Gegenzug ein, vermöge Musik gerade kraft dieser Beschränkung auf die Form «die ästhetische Idee eines zusammenhängenden Ganzen einer unnennbaren Gedankenfülle» auszudrücken.

An diese Sätze aus Kants «Kritik der Urteilskraft» wird man im Grunde fortwährend erinnert, wenn man sich durch die beiden kiloschweren Bände der Enzyklopädie mit dem gleichermaßen schlichten wie bedeutsamen Titel «Musik und Gesellschaft» hindurchblättert; wenn man sich darin (was wiederholt geschieht) festliest und tief eintaucht in die Geschichte einer Kunstgattung, deren erste Spuren sich in jenen 40 000 Jahre alten Flöten finden, die seinerzeit aus Vogelknochen hergestellt wurden und mit so vielen Löchern versehen wurden, dass sich daraus fünf- bis siebentönige Tonleitern ergaben; einer Gattung ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Jürgen Otten

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