On and off

Der zweite Lockdown trifft die bundesdeutschen Opernhäuser noch stärker als der erste, deren Intendanten beklagen insbesondere die zunehmende Planungsunsicherheit, wollen sich aber dennoch nicht kleinkriegen lassen. Ein Rundblick

Wenn Berthold Schneider durch sein Haus geht, sieht er lauter lachende Gesichter bei seinem Ensemble. Auf der Bühne laufen gerade die Proben zu Gilbert & Sullivans «Pirates of Penzance», und so eine irre Komödie, sagt der Intendant der Wuppertaler Bühnen, tue im Moment einfach «wahnsinnig gut».

Nur wer zur Premiere kommen kann, weiß er noch nicht: Soll er Zimmerpflanzen im Zuschauerraum verteilen oder doch besser Airbags, wie sie im Film «Men in Black» am Steuer selbstfahrender Autos sitzen? Viele deutsche Opernbühnen fahren momentan auf Autopilot, nicht wenige davon sogar hochtourig. Nur wann sie endlich wieder über die Ziellinie dürfen, darüber mag zu dem Zeitpunkt, als diese Umfrage unter insgesamt elf Intendanten deutscher Opernhäuser stattfindet, kaum jemand spekulieren.

Schließlich haben Politiker nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ihnen Anfang November einen Bremsklotz in den Weg geworfen, mit dem kaum jemand gerechnet hätte. Nicht nach den stetig wiederholten Versprechen, einen zweiten Lockdown werde es nicht geben, nicht nach den glänzenden Salzburger Festspielen im Sommer, nicht nach den penibel ausgearbeiteten Hygieneplänen und den hunderten ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 8
von Michael Stallknecht

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