Schamlos erotomanisch
Zum fiebrig filigranen Orchestervorspiel ringt ein Menschenknäuel auf einer Halbkugel. Sie erinnert an die Neu-Bayreuther Weltenscheibe, wuchtig wölbt sie sich gen Himmel. Bald sehen wir ein männliches Paar, das sich gar schmerzlich voneinander löst. Der eine gleicht einem buckligen Rigoletto oder Alberich, der andere, mit seinen ausstaffierten Schulterpolstern, einem extra gut gebauten Mucki-Macho, einer Art Jung-Wotan.
Ersterer ist der heldentenorale, missgestaltete Schöngeist Alviano, der seiner eigenen Tragödie des hässlichen Mannes zu entkommen sucht, indem er auf einer der reichen Renaissancestadt Genua vorgelagerten Insel einen Lustgarten errichtet, die er seinen mächtigen Freunden großherzig zur Verfügung stellt. Der andere ist sein Gegenspieler Graf Tamare, ein baritonviril potenter Kerl, der das hier allgemein gültige Männermotto ohne jede Hemmung lebt: «Die Schönheit sei die Beute des Starken».
Der initiale Kniff des Regisseurs Johannes von Matuschka legt nun freilich nahe, dass Scheusal und Schönling ein und dieselbe Figur sind, dies getreu einer freudianischen Konstellation, die zur Entstehungszeit des Stücks anno 1918 auf der Hand, ja gleichsam auf der ...
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