Schadet nichts!

Britten: Peter Grimes Berlin / Deutsche Oper

Opernwelt - Logo

Wind, Meer und der salzige Geruch kleiner Jungs: Peter Grimes könnte man auch als britisch- hemdsärmelige Version von Thomas Manns Tod in Venedig lesen. David Aldens Inszenierung von der ­English National Opera (2009), die derlei anregt, wurde schon nach Antwerpen, Gent und Oviedo transferiert. Dass auch ein großes Haus wie die Deutsche Oper Berlin darauf zurückgreift, zeigt die große Nachfrage und die Verlegenheit zugleich, Neues zu dem robusten Meisterwerk auszusagen.

In Berlin will Donald Runnicles einen großen Britten-Zyklus starten.

Und tut das zu ehrgeizlos pragmatisch, zu geradeaus und unverstellt drauflos für einen viel versprechenden Auftakt. Die Story vom Knabenmissbrauch (aber ist es denn ­einer?) und von blauen Flecken (aber woher kommen sie denn?) lebt vom Unausgesprochenen. Von der Schuld im Indirekten. Vom Geheimnis, das ein Geheimnis bleibt. Gerade dafür ist Runnicles’ unauratischer Dirigierstil denkbar wenig prädestiniert. Sein Engagement scheitert auf hohem Niveau. Man ist erstaunt, hier jemanden ausgerechnet von seinem Steckenpferd stürzen zu sehen.

Christopher Ventris (in der Titelrolle) war schon immer ein etwas persönlichkeitsarmer Darsteller. Was ihm an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Gold, Pink, Camp

Auf der Bühne dreht sich langsam ein angeschnitter Kubus im Bauhaus-Stil. Oben in einem verglasten Raum schmiegt sich blaues Ethnokleid an pinke Funktionsweste, schwarzes Haar an Rockerglatze, presst sich Mund an Mund: Zwischen Aida und Radames ist alles klar in Zagreb. Sie knutschen, bis Anubis seine Nüstern dazwischenschiebt. Knallpink der Gott des Totenkults,...

Musentempel? Musenstall!

Schon komisch: Ausgerechnet Cottbus ist in den letzten Jahren zur unbestrittenen Karnevalshochburg der Neuen Länder aufgestiegen. Bis zu 100 000 Menschen feiern jedes Jahr mit. Weil allerdings in Brandenburg während der närrischen Zeit stramm durchgearbeitet wird, findet der «Zug der fröhlichen Leut» jeweils schon am Sonntag vor Rosenmontag statt. Dann hat jeweils...

Was kommt...

New York
Die Metropolitan Opera setzt zum Verdi- und Wagner-Jahr zwei Neuproduktionen an: Rigoletto mit Diana Damrau und Parsifal mit Jonas Kaufmann. Die New York City Opera spielt Powder Her Face von Thomas Adès, und an der Juilliard School erprobt sich der Nachwuchs mit L’elisir d’amore. Eine Reportage

Raritäten
Als sie 1807 in Paris erstmals vorgestellt wurde,...