Käfig voller Narren
I am what I am» singt eine Frau vor der Ouvertüre – eine ansonsten stumme Darstellerin, die der wilden Freibeuterin Fosca als Mischwesen zwischen Groupie und Spielleiterin hinterherläuft. So ist der Käfig voller Narren von 1983 vor die Oper von 1873 gesetzt – die Regie versucht nicht, den grandiosen Opernschmarren der Fosca-Handlung zuzukleistern oder alle Verwirrungen um Liebeshändel, Geiselnahmen und Ganovenehre zu bebildern, sondern stellt Querstände eher noch aus.
Man mag es als typisch für das experimentierfreudige Gießener Theater begreifen, zum Verdi-Jahr das Werk eines Zeitgenossen zu spielen. Il Guarany und Fosca aus Gomes’ Feder waren die erfolgreichsten Opern an der Mailänder Scala ihrer Zeit – nach den Werken Verdis, dessen Forza- und Aida-Librettist Ghislanzoni auch für Fosca verantwortlich zeichnet.
Vor zwei Jahren wurde in Gießen Gomes’ Lo schiavo erfolgreich aufgeführt. Die deutsche Erstaufführung von Fosca kann sich hören lassen, aber: Es hat seine Gründe, dass dem Werk dauerhafter Erfolg verwehrt blieb.
Regisseur Thomas Oliver Niehaus ergreift ungeniert Partei für die Titelheldin. Mit ihrer rebellischen Ader ist sie Außenseiterin einer normierten Gesellschaft, die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Claus Ambrosius
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Verdi als Risorgimento-Held? Eigentlich hätte man erwartet, dass die unter dem Stern des 200-jährigen Verdi-Geburtstag-Jubiläums stehende Saison 2012/13 an Italiens Opernhäusern einen Reigen patriotischer Produktionen hervorbringen würde – kurz nach den Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der nationalen Einheit Italiens (2011). Doch es kam, zumindest bislang,...
«Wenn man das Ohr an den Bauzaun vom Berliner Flughafen hält, kann man leise
die Elbphilharmonie lachen hören.» – Der Spruch zwitschert munter durchs Internet und ist schon fast ein Bonmot. Weil man die Baustellen so schön austauschen kann: gegen Stuttgart 21. Gegen die Berliner Museumsinsel. Oder die Berliner Staatsoper, die wohl noch ein Weilchen im Schiller...
