Rätsel über Rätsel
Im Jahr 1966 kommt Paul McCartney bei einem Autounfall ums Leben. Um die Öffentlichkeit zu täuschen, pflanzen die Plattenbosse der Band heimlich einen Doppelgänger ein und verpflichten die hinterbliebenen «Beatles» zur Verschwiegenheit. Trotzdem platzierten John, Ringo und George in ihren Liedtexten heimliche Botschaften an die Fan-Gemeinde: Spielt man «I Am The Walrus» rückwärts, hört man zum Beispiel auch verschwommen die verräterischen Worte «Paul is dead».
So lautet eine jahrzehntealte Verschwörungstheorie, die in der Popkultur hohe Wellen geschlagen hat: In einer Simpsons-Folge aus dem Jahr 1995 etwa tritt Paul McCartney als gelbgesichtige Comic-Figur auf und erklärt: «Wenn du ‹Maybe I’m amazed› spielst, hörst du das Rezept für eine wirklich tolle Linsensuppe.» In der Produktion «Die fünfte Jahreszeit-Ouvertüre» überträgt die Berliner Opernkompagnie Novoflot diese moderne Sage in die Klassik. Spiele man den «Sommer» aus Vivaldis «Vier Jahreszeiten» rückwärts oder den dritten Satz des «Herbstes» in vierfacher Verlangsamung, ergebe sich daraus ein Geheimcode für eine verschollene fünfte Jahreszeit, erklärt ein Erzähler aus dem Off und verspricht: «Es wird phantastisch!» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Anna Schors
Die wahre Geschichte von Mukhtar Mai ist kaum auszuhalten. Weil ihr Bruder angeblich die Ehre einer mächtigen, reichen Familie verletzt hat, wurde sie von mehreren Männern vergewaltigt. Anstatt sich der Scham zu beugen, zeigte die Pakistanerin ihre Peiniger an. Damit war sie 2002 eine der ersten Frauen, die ein solches Verbrechen öffentlich anprangerten. Die...
Woll- oder Leinenfäden werden an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr versponnen. Dafür gibt es Kabel: Die quellen über Schreibtische, während die beiden Damen auf ihren Tastaturen hämmern, um immer neue Avatare zu erzeugen: Webkunst 2.0. Wir sind über Ovids Antike schließlich hinaus. Dazu wird gesungen, hanebüchen Schweres von Antonio Vivaldi. Ein Showdown, hier...
Kaum jemand konnte seiner Traurigkeit und leisen Bestürzung über den Zustand des (weiblichen) Ichs im patriarchal-geteilten Deutschland nach 1945 so plastisch-poetisch Ausdruck verleihen wie die Schriftstellerin Brigitte Reimann. «Alles schmeckt nach Abschied», notierte sie einmal in ihrem Tagebuch, und betrachtet man das Leben dieser Künstlerin, klingt der Satz...
