Samt und Seide

Die Erstaufführung von Donizettis «Anna Bolena» an der Wiener Staatsoper mit Anna Netrebko und Elina Garanca

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Kultur gleicht manchmal einem Mädchen, das einen reichen Alten heiratet und heuchelt, es sei Liebe – wenn sie nämlich so tut, als gehe es ausschließlich um Höheres. Ihren wahren Charakter (den Warencharakter) zeigt sie indes, wenn ein «Event» ansteht wie jener im April in Wien mit Gaetano Donizettis «Anna Bolena» an der Staatsoper, der ersten Aufführung des Werks an diesem Haus überhaupt.

Medienhype, exorbitante Schwarzmarktpreise und eine Hundertschaft von Optimisten mit «Suche-Karte»-Schildchen vor der Premiere, von denen die meisten sich schließlich doch mit der Übertragung auf den großen Bildschirm draußen vor der Tür auf dem Karajan-Platz begnügen müssen. Oder mit dem Rundfunk, der ebenfalls live überträgt.

Arte zeigte, vielleicht auf Anregung von Mitbegründer Dominique Meyer, dem jetzigen Staatsoperndirektor in Wien, drei Tage später die zweite Vorstellung. Überdies kam die Aufführung als erste Live-Übertragung der Staatsoper nach dem Vorbild der Met in über 90 europäische Lichtspieltheater von Großbritannien über Spanien und Italien bis Russland. Dies vor allem Anna Netrebkos und Elina Garancas wegen: eine Primadonnen-Konstellation, die sich schon im Vorjahr bei «Carmen» ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché

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