Musikalisch ein Glücksfall

Augsburg: Wagner: Tristan und Isolde

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Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse Abstufung und trennscharfes Agieren gefragt wären. Vor diesem Hintergrund ist dem Theater Augsburg ein imponierendes Statement gelungen.

Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in seiner zweiten Saison längst zum Publikumsliebling und zum Energiezentrum des Hauses geworden, glückt dabei mit dem Philharmonischen Orchester eine wundersame Gratwanderung: ein «Tristan» zwischen temperamentvoller Entfesselung und reflektierter Kontrolle. Eine Deutung, die vor allem eines ist: genau gespielt und detailbewusst organisiert wie unter einer überscharfen Linse. Kein Bläserakkord sucht sich da klappernd erst zusammen, jeder Streicherstrom wird kanalisiert und energiereich phrasiert. Der Klang ist prägnant gefasst, geschlossen, klug balanciert. Die Temporelationen stimmen, Übergänge ereignen sich präzise und logisch. Und anstatt die Sänger im ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Markus Thiel

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