Risorgimento und Totenklage
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit Kürzenswertes ansieht und deren größter Koalitions-Partei Alemanno selbst angehört.
Seit Wochen machen Kulturschaffende und Politiker auf die verheerenden langfristigen Folgen des Sparpakets «Milleproroge» («Tausend Stundungen») aufmerksam. Denn die darin enthaltene Reduzierung des Kulturfonds FUS (Fondo Unitario dello Spettacolo) betrifft alle darstellenden Künste, Kino, Musik, Forschung und Lehre. So droht den Filmstudios in Cinecittà ebenso das Aus wie Förderprogrammen zur musikalischen Früherziehung oder für die wertvollste Musikbibliothek in Neapel.
Vor diesem deprimierenden Hintergrund begannen am 12. März die offiziellen Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einheit Italiens: Am 17. März 1861 war Vittorio Emanuele von Savoyen zum ersten italienischen König gekrönt worden und Italien nach jahrhundertelanger ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sabine Radermacher
Während ARD und ZDF längst keine ganzen Opern mehr ausstrahlen, blüht die Gattung auf arte. Neben den ohnehin regelmäßigen Übertragungen haben sich die Programmplaner für den Monat Mai etwas Besonderes ausgedacht. Weil am 7. und 8. Mai 2011 die «Europäischen Operntage» stattfinden, an denen sich über 100 Häuser des ganzen Kontinents beteiligen, sendet arte am 7....
Mit realistisch ausgerichtetem Musiktheater würde man sich bei Mozarts «Idomeneo» mit seiner noch in vielem den Abläufen der alten Opera seria geschuldeten Form schwer tun. So verzichtete Kay Kuntze in seiner Bremer Regiearbeit denn auch auf wirklichkeitsgetreues szenisches Abbilden und verlegte sich auf eher rational durchgestaltete Bewegungsabläufe von...
Kaija Saariaho und ihr Librettist, der in Frankreich lebende libanesische Schriftsteller Amin Malouf, haben für ihre zweite, 2006 in Paris uraufgeführte Oper «Adriana Mater» einen aktuellen Stoff gewählt – die sexualisierte Gewalt im Krieg. Adriana wird von dem Soldaten Tsargo vergewaltigt, entschließt sich aber trotz des Widerstands ihrer Schwester Refka, das Kind...
