Sahnig-süß
Als Gustavo Dudamel im April 2021 zum neuen musikalischen Leiter der Opéra national de Paris ernannt wurde, verwiesen manche verwundert auf das schmale Opernrepertoire des amtierenden Chefdirigenten des Los Angeles Philharmonic. Dieses besteht vor allem aus Hauptwerken von Mozart, Verdi und Puccini, zuzüglich «Fidelio», «L’elisir d’amore», «Tannhäuser», «Carmen», dem veristischen Doppelpack «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci», «L’Enfant et les sortilèges» sowie Musiktheater von John Adams, Leonard Bernstein, Oliver Knussen und Stephen Sondheim.
Nichts Barockes, nichts Russisches, kein Strauss, kein Janáček, kein Berg – von Stockhausen und Sciarrino, Beat Furrer und George Benjamin ganz zu schweigen.
Natürlich geht es auch ohne solchen Erfahrungsschatz; und die Koordinationsprobleme zwischen Chor und Orchester, die bei der Premiere von «Turandot» momentweise unüberhörbar waren, dürfte ein versierter Handwerker wie Dudamel schon im Lauf der nächsten Vorstellungen behoben haben. Puccinis letzte Oper kommt seinem Naturell a priori entgegen: Der Dreiakter erheischt eine flexible, hellwache Schlagtechnik, Sinn für Kolorit und (in den Masken-Szenen) hier behäbige, da purzelnde ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Marc Zitzmann
Von Orpheus wissen wir das. Singen besänftigt. Es zähmt wilde Tiere. Und ist nicht selten Balsam auf verwundeten Seelen. Manchmal ist es aber auch «nur» die pure Leidenschaft, die blüht wie ein riesiger Kirschblütenbaum. Bei der Mutter von George Alexander Albrecht war das der Fall. Singen war für sie die große Liebe, eine Art Lebenselixier. Mit dem Gesang ließ...
Mit rot verschmiertem Mund, wie ein trauriger Clown, beklagt Cleopatra ihr Schicksal. Eben noch hat Tolomeo die gefangene Schwester sadistisch erniedrigt, an der Leine geführt wie einen Hund (man erinnert sich an Pasolinis berüchtigten Schwanengesang «Salò»). Doch dann singt Louise Alder das «Piangerò la sorte mia» unglaublich berührend, mit engelsgleichem Ton. Es...
Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des...
