Apropos... Beethoven in der Bar

Der Schweizer Bariton ÄNEAS HUMM wurde schon früh als Wunderkind bezeichnet. Inzwischen ist der 26-jährige Sänger Ensemblemitglied am Badischen Staatstheater Karlsruhe, konnte aber dort wegen umgestellter Spielpläne bislang nur wenig in Erscheinung treten. Deshalb wurde für ihn in der Pandemie der Liedgesang noch wichtiger.

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Herr Humm, Sie waren bisher ein sehr hohes Lebenstempo gewohnt. Jetzt wurden seit fast zwei Jahren viele Ihrer Engagements abgesagt. Wie geht es Ihnen mit dieser Entschleunigung?
Schwierige Frage. Ich merke, dass man Dinge, die schnell gehen müssen, wieder verlernt, wie das Kofferpacken, weil es nicht mehr so häufig und wichtig ist wie früher. Die ganze Entschleunigung hat aber auch den Vorteil, dass man sich mehr Zeit nimmt für ein Projekt wie zum Beispiel für meine letzte CD «Embrace».

Damit haben Sie schon die zweite ambitionierte Lied-CD vorgelegt; diese nun mit eher unbekannten Liedern von Fanny Hensel, Franz Liszt, Edvard Grieg und Viktor Ullmann. Was verbindet die Lieder miteinander?
«Embrace» – «Umarmen» – beschreibt eine Einsamkeit, die man bei Fanny Hensel findet, bei Viktor Ullmann mit seinem tragischen Tod in Auschwitz und auch in den Gedichten der Lieder von Edvard Grieg. «Vergiftet sind meine Lieder» von Franz Liszt nach einem Gedicht von Heinrich Heine strahlt auch diese Einsamkeit aus. Dieses Gefühl findet man ganz deutlich im Zyklus «Der Mensch und sein Tag» von Viktor Ullmann, den er 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte. Ich habe leider noch nie ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Georg Rudiger

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