Sängerin des Jahres 2024
Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem der fähigsten Interpreten von Kunst(werken), widersprochen, er hat in gewisser Weise auch die Rolle der Künstlerin und des Künstlers selbst prästabiliert.
Denn erst jene Akteure, die am Abend auf der Bühne stehen, befreien das Werk (so nicht eine überambitionierte Regie im Wege steht) aus seiner Unbegreiflichkeit und überführen es im besten Fall in eine Geschichte, deren mimetische Anverwandlung des Vorliegenden zu beglücken vermag. Asmik Grigorian zählt zu denjenigen, die durch ihre Art, Rollen zu verkörpern, sie sich gleichsam in den eigenen Körper zu überschreiben, das Publikum und auch die Kritik seit vielen Jahren fesseln. Die litauische Sopranistin ist die Königin der Schmerzen und der Lust, des Lebens und des Leidens, kurzum: eine Sängerdarstellerin von hohen Gnaden
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 14
von
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Dem französischen (Musik-)Philosophen, Debussy-Biographen und Autoren des vielleicht tiefsinnigsten Buches über den Tod, Vladimir Jankélévitch, verdanken wir eine fundiert-feinsinnige Skizzierung der Musik jenes Komponisten, dessen Schöpfungen, mit Ausnahme seines regelmäßig aufgeführten Requiems, noch heute nur wenigen Eingeweihten vertraut ist. «Wie einem...
Die Frage ist häufig gestellt, aber nie letztgültig beantwortet worden: Was ist der Mensch? Auch Immanuel Kant, dessen 300. Geburtstag die (philosophische) Welt in diesem Jahr begeht, hat sich eingehend mit ihr beschäftigt, sie aber in einen moralisch-idealischen Kontext gestellt. In seiner «Kritik der reinen Vernunft» nennt Kant jene drei Fragen, die auch in der...
