Sänger des Jahres 2024
Von der Krise des Gesangs war immer schon und gern auch mit kritischem Blick auf Tenorstimmen die Rede – das Jammern darüber, dass es keine Corellis, Di Stefanos und Pavarottis mehr gebe, gehörte beinahe schon zum guten Ton auf diesem hartumkämpften Terrain. Ob Zufall oder nicht – gerade aus den Vereinigten Staaten von Amerika wehte in den vergangenen Jahrzehnten häufig eine Prise Hoffnung über den Teich. Stephen Gould eroberte sich die europäischen Bühnen mit seinem strahlkräftigen, warm timbrierten Tenor; sein Verlust wiegt nach wie vor schwer.
Aber auch Sänger wie Clay Hilley und Eric Cutler gebieten über jene staunenswerte Kondition und jenen unvergleichlichen Schmelz, der für Stimmen dieser «Couleur» so wichtig ist. Ein wenig auf ihren Spuren wandelt seit einiger Zeit John Osborn. Seine feingewebte Legatokultur, eine lupenreine Intonation sowie ein luxurierendes Espressivo vereinen sich zu einem Stimmbild, das sich, ausgehend vom Belcanto, mehr und mehr auch für dramatischere Rollen in Verdis, Puccinis oder Meyerbeers Opern eignet
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 23
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Das letzte Wort hat Liù. Die kleine Sklavin mit dem großen Herzen. Die weiß, wie sich Liebe anfühlt, wie sie schmeckt, welchen Zauber, welchen Duft sie zu verströmen weiß. Und die den Unterschied kennt zwischen dem reinen Begehren und jenem höheren Gefühl, das sich nicht allein aus körperlichem Verlangen speist, sondern weit mehr aus der Idee von Philia und Agape –...
Als erst zweite Oper einer Frau (nach Louise Bertins «La Esmeralda») wurde 1895 an der Pariser Opéra «La Montagne Noire» von Augusta Holmès uraufgeführt. Geboren 1847 in Paris als Tochter einer irischstämmigen Familie lernte sie ihr musikalisches Handwerk unter anderem als Schülerin César Francks. Ihre Werke veröffentlichte sie zunächst unter männlichem Pseudonym,...
Seit jenem Tag des Jahres 2009, an dem die Stiftung Palazzetto Bru Zane ihre Arbeit aufgenommen hat, ist Bewegung in die doch leicht verkrustete Opernwelt gekommen – vor allem, was die Zeit zwischen 1780 und 1920 betrifft. Namensimmanentes Ziel des «Centre de musique romantique française» ist es seither, die Musik eben dieser «Epoche» zu erforschen und vor allem...
