Sänger des Jahres 2024

Opernwelt - Logo

Von der Krise des Gesangs war immer schon und gern auch mit kritischem Blick auf Tenorstimmen die Rede – das Jammern darüber, dass es keine Corellis, Di Stefanos und Pavarottis mehr gebe, gehörte beinahe schon zum guten Ton auf diesem hartumkämpften Terrain. Ob Zufall oder nicht – gerade aus den Vereinigten Staaten von Amerika wehte in den vergangenen Jahrzehnten häufig eine Prise Hoffnung über den Teich. Stephen Gould eroberte sich die europäischen Bühnen mit seinem strahlkräftigen, warm timbrierten Tenor; sein Verlust wiegt nach wie vor schwer.

Aber auch Sänger wie Clay Hilley und Eric Cutler gebieten über jene staunenswerte Kondition und jenen unvergleichlichen Schmelz, der für Stimmen dieser «Couleur» so wichtig ist. Ein wenig auf ihren Spuren wandelt seit einiger Zeit John Osborn. Seine feingewebte Legatokultur, eine lupenreine Intonation sowie ein luxurierendes Espressivo vereinen sich zu einem Stimmbild, das sich, ausgehend vom Belcanto, mehr und mehr auch für dramatischere Rollen in Verdis, Puccinis oder Meyerbeers Opern eignet

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 23
von

Weitere Beiträge
Der Höhenforscher

Es ist großartig, John Osborn in einer Verdi-Rolle zu erleben, gerade weil das nicht seine Kernkompetenz ist. Den Alfredo in «La traviata» singt der US-Amerikaner darum so leicht und lyrisch, wie diese Rolle fast nie zu hören ist, es klingt eher französisch als italienisch; kein Schmettern nirgends. Seine Stimme wirkt aber auch nicht anämisch, sondern kernig, dazu...

Singe mir ein neues Lied, die Welt ist verklärt

Herr Lang, «Who the fuck is Dora?», lautete der Slogan in ganz Stuttgart. Wie ist es zu «Dora» und der Zusammenarbeit mit Frank Witzel gekommen?
Ich kannte Frank Witzel vorher nicht, er wurde mir von der Staatsoper Stuttgart als Librettist vorgeschlagen. Es gab also zuerst einmal eine Zeit des Kennenlernens und dann des Nachdenkens. Vor allem las ich mich einmal...

Wege ins Freie. Was bleibt von 2023/24?

Die Frage ist häufig gestellt, aber nie letztgültig beantwortet worden: Was ist der Mensch? Auch Immanuel Kant, dessen 300. Geburtstag die (philosophische) Welt in diesem Jahr begeht, hat sich eingehend mit ihr beschäftigt, sie aber in einen moralisch-idealischen Kontext gestellt. In seiner «Kritik der reinen Vernunft» nennt Kant jene drei Fragen, die auch in der...