Antisemitismus und Oper
Der Antisemitismus ist weltweit wieder auf dem Vormarsch. Gut 80 Jahre nach Auschwitz ist dies eine vernichtende, erschütternde Nachricht, die aber im Grunde nur die geschichtliche Kontinuität eines seit Jahrtausenden virulenten «Phänomens» beglaubigt. Wo Juden waren, wurden sie gehasst, an zahllosen Ort des Globus. Und auch auf der Opernbühne dauerte es bis zur Mitte der 1830er-Jahre, ehe mit den Grand Opéras «La Juive» von Jacques Fromental Halévy und «Les Huguenots» von Giacomo Meyerbeer Werke jüdischer Komponisten den Weg auf die Bühne fanden.
Beide Schöpfungen stehen für eine französische Sonderform der jüdischen Emanzipation, beide haben ihren Rang längst behauptet; allerdings fand man lange Zeit nur «Les Huguenots» auf den Spielplänen internationaler Opernhäuser. Daran hat sich in der jüngeren Vergangenheit zum Glück etwas geändert – «La Juive» wird verstärkt zur inszenatorischen Diskussion gestellt, zum Teil mit veritablen Erfolgen, wie zuletzt in Frankfurt. Nicht minder schwer hatte es Mieczysław Weinbergs Auschwitz-Oper «Passashirka» («Die Passagierin»). Sie wurde erst knapp 40 Jahre nach dem Tod des jüdischen Komponisten konzertant und schließlich 2010 auch szenisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Antisemitismus und Oper, Seite 86
von
Als erst zweite Oper einer Frau (nach Louise Bertins «La Esmeralda») wurde 1895 an der Pariser Opéra «La Montagne Noire» von Augusta Holmès uraufgeführt. Geboren 1847 in Paris als Tochter einer irischstämmigen Familie lernte sie ihr musikalisches Handwerk unter anderem als Schülerin César Francks. Ihre Werke veröffentlichte sie zunächst unter männlichem Pseudonym,...
65. JAHRGANG, JAHRBUCH 2024
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH ISSN 0030-3690
REDAKTION OPERNWELT
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin Tel.: +49(0)30/25 44 95-55 | Fax: -12 redaktion@opernwelt.de www.opernwelt.de
REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Clemens Haustein
REDAKTIONSBÜRO
Irene Naujoks | redaktion@opern...
In einer Welt, die sich zunehmend und vor allem zunehmend rasant verändert, fällt auch der Kunst eine andere Rolle zu: Sie kann und muss auf all die Kriege, Krisen und (klimabedingten) Katastrophen direkt und schneller reagieren. Ihre wesentliche Aufgabe besteht darin, dass sie der Macht der beschleunigten Bilder, die durch die fortschreitende Digitalisierung den...
