Sachwalter der Moderne
Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder erstaunliche Fusion von großer Tradition des 19.
Jahrhunderts und rabiatem Avantgarde-Elan statt: So stellten sich auch die prominenten Interpreten in den Dienst von politischem wie künstlerischem Fortschritt, auch wenn Restriktion und stalinistischer Terror Ernüchterung bewirkten. Gleichwohl haben neben den Komponisten Prokofjew und Schostakowitsch überragende Instrumentalisten und Dirigenten die Musik-Welt bereichert.
Nun ist der letzte Pultheros aus der Sowjetzeit gestorben: Gennadi Roschdestwenski. Hat man noch Jewgeni Mrawinski, den überragenden Doyen der russischen Orchesterchefs, erlebt, so bleibt das Bild eines Steuermanns in Erinnerung, der mit militärischer Strenge vorging – Leningrader Sachwalter Tschaikowskys, Prokofjews und Schostakowitschs. Das leicht Offiziershafte im Habitus manch russischer Musiker traf ...
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