Außer Form

Warum die Münchener Biennale trotz starker Stücke von Yasutaki Inamori, Ruedi Häusermann und Ondřej Adámek in die Bedeutungslosigkeit zu driften droht

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Was man denn bevorzuge? Ein Fragebogen findet sich irgendwann im Mail-Eingang, «mehrfaches Ankreuzen sehr erwünscht»: Schubertiade? Kindergeburtstag? Fußbad? Zuhören und/oder Mitsingen? «Regno della musica – Terra», das zielt quasi auf Kunst à la carte. Ortstermin in der Münchner Fürstenstraße also. Man schaut einer temporären WG beim Proben und Kochen zu, führt, umweht vom Duft gebratener Zwiebeln, Gespräche mit liebenswerten Menschen. Als Ergebnis des mehrtägigen Zusammenseins ist eine Daphne-Kammeroper geplant.

Ob das Happening sein soll oder Experiment? Man erfährt es nicht. Eine dunkle Ahnung keimt bald. Die Realität als Realität, ungebrochen, ungeformt – ist das überhaupt noch (Musik-)Theater?

Schon 2016, beim ersten Durchgang der Münchener Biennale unter Daniel Ott und Manos Tsangaris, musste die Frage zu oft mit nein beantwortet werden. Die 2018er-Auflage ging nicht so gründlich schief, sie war verdichteter, selbstironischer. Doch ein Problem, ein womöglich existenzgefährdendes, bleibt: Ott und Tsangaris wollen weg von der kanalisierten Großform, die unter Hans Werner Henze und Peter Ruzicka gepflegt wurde, hin zu einer Öffnung von Strukturen und Spielorten. ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Markus Thiel

Vergriffen
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