Außer Form
Was man denn bevorzuge? Ein Fragebogen findet sich irgendwann im Mail-Eingang, «mehrfaches Ankreuzen sehr erwünscht»: Schubertiade? Kindergeburtstag? Fußbad? Zuhören und/oder Mitsingen? «Regno della musica – Terra», das zielt quasi auf Kunst à la carte. Ortstermin in der Münchner Fürstenstraße also. Man schaut einer temporären WG beim Proben und Kochen zu, führt, umweht vom Duft gebratener Zwiebeln, Gespräche mit liebenswerten Menschen. Als Ergebnis des mehrtägigen Zusammenseins ist eine Daphne-Kammeroper geplant.
Ob das Happening sein soll oder Experiment? Man erfährt es nicht. Eine dunkle Ahnung keimt bald. Die Realität als Realität, ungebrochen, ungeformt – ist das überhaupt noch (Musik-)Theater?
Schon 2016, beim ersten Durchgang der Münchener Biennale unter Daniel Ott und Manos Tsangaris, musste die Frage zu oft mit nein beantwortet werden. Die 2018er-Auflage ging nicht so gründlich schief, sie war verdichteter, selbstironischer. Doch ein Problem, ein womöglich existenzgefährdendes, bleibt: Ott und Tsangaris wollen weg von der kanalisierten Großform, die unter Hans Werner Henze und Peter Ruzicka gepflegt wurde, hin zu einer Öffnung von Strukturen und Spielorten. ...
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Als «Das Schloss Dürande», die letzte Oper Othmar Schoecks, im Frühjahr 1943 in der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben wurde, kam es zu Aufwallungen. Dass er sich für seine Uraufführung, tatkräftig unterstützt durch den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart, mitten im Krieg mit dem ersten Opernhaus im nationalsozialistischen Deutschland zusammengetan und, mehr...
59. Jahrgang, Nr 8
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Andrea Kaiser...
Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen....
