Fern aller Klischees
Sie können sich freuen in München. Mit Vladimir Jurowski tritt ab der Spielzeit 2021/22 ein Dirigent der Extraklasse in die Fußstapfen von Kirill Petrenko als Musikchef der Bayerischen Staatsoper. Neuerlicher Beweis: der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Pique Dame» in Tel Aviv – mit Jurowski am Pult des Israel Philharmonic Orchestra.
Hochgradig differenziert ist dessen Klang schon in der h-Moll-Introduktion: zunächst gespannt wie ein Flitzebogen, durchlässig, scharf gezackt, dann, wenn die Streicher von der Sehnsucht singen, molto espressivo.
Und wie leichthändig kommt danach das lichte D-Dur im ersten Bild daher: tänzerisch, grazil, kokett – genau so kapriziös ist die Atmosphäre in jenem Spielsalon, der Herman zum Verhängnis werden wird.
Jurowski dirigiert einen modernen Tschaikowsky, fern aller Klischees, die nicht von diesem Komponisten abfallen mögen. Szene und die sie belebenden Charaktere sind, nicht zuletzt der exzellenten Balance zwischen Bläsern und Streichern wegen, präzise profiliert. Jurowski bevorzugt einen rhetorischen Stil, der jedoch das Romantisch-Überschwängliche keineswegs komplett ausblendet; dieses tritt aber eher sublim als ...
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