Russische Seelen
Das traditionsreiche Moskauer Festival «Goldene Maske» gibt es nicht mehr, es wurde durch ein Format ersetzt, das kaum der Rede wert ist. Anderes hingegen schon: Vor zehn Jahren organisierten Musiktheatermacher, als Gegenstück zur alten «Goldenen Maske», mit Unterstützung der Behörden das Festival «Musik sehen». Der Ansatz ist charmant: Jedes (Musik-)Theater des Landes kann dort Aufführungen nach eigener Wahl präsentieren. In diesem Jahr feierte man ein kleines Jubiläum.
Wie in der jüngeren Vergangenheit wurden auch diesmal viele Produktionen (Opern, Ballette, Operetten, Musicals) gezeigt, deren Qualität leider nicht über überschaubare lokale Standards hinausragte. Dennoch war es aufschlussreich und interessant, Opern russischer Klassiker anzusehen, von denen jede einzelne den Betrachter dazu zwang, über die Entwicklung der Oper in Russland während des Eroberungskrieges gegen die Ukraine nachzudenken.
In «Eugen Onegin» aus Syktywkar, der Hauptstadt der Republik Komi, zog sich die Musik unter der Leitung des Dirigenten Arid Dadaschew leider schlaff und seelenlos dahin, und Regisseur Juri Alexandrow verdrehte die Fabel so sehr, dass man nicht mehr verstand, was er da eigentlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Alexej Parin
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung...
Die «Walküre» ist die mit Abstand populärste Oper aus Wagners «Ring». Doch findet sich darin die wohl unbeliebteste halbe Stunde der ganzen Tetralogie, noch vor der ähnlich langen Wissenswette in «Siegfried»: Wotans sogenannter Monolog im zweiten Aufzug. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um eine erst nachdenklich, dann zunehmend hitzig formulierte...
Fast möchte man sagen: Mit Andreas Homoki wäre das nicht passiert. Aber vielleicht war gerade dies Zweck der Übung des neuen Intendanten Matthias Schulz: sich von seinem Vorgänger am Zürcher Opernhaus abzusetzen. Irritierend war die einigermaßen instinktlose Idee, seinem Gastland, der Schweiz, und seinem Arbeitgeber gleich in der zweiten Produktion seiner ersten...
