Rückzug auf Raten
Anne Sofie von Otter in strengem Schwarz mit Gretchenfrisur als L’Opinion publique konnte dieses Jahr im Salzburger «Orphée aux enfers» mit der speziellen Sympathie des Publikums rechnen. Doch die «Öffentliche Meinung» schien auch an der Salzach weit über Offenbachs Opéra-bouffon hinaus wirksam. Sind ihre eigentlichen Spiel- und Jagdwiesen nun doch – es lebe die Raute – Twitter & Co.
Wie eben das Phänomen #MeToo (das im Übrigen auch in von Otters Privatleben verhängnisvoll eingebrochen war, hatte sich ihr Gatte, Schauspielintendant Benny Fredriksson, im vergangenen Jahr nach einem auf haltlosen Anschuldigungen basierenden «Shitstorm» gegen seine Person doch das Leben genommen). In diesem Sommer nun geriet Plácido Domingo ins Visier, der Tenorissimo, Maestro, Sovrintendente und inkriminierte Don Juan. Zunächst waren es laut Associated Press elf Frauen, die ihm konkret sexuelle Belästigung oder Missbrauch vorwarfen. Durfte man in Salzburg in diesem Zusammenhang etwa auch an das Genie Amédée und das von ihm in Musik gesetzte Manifest der Lendenstärke, die Registerarie, denken? «Purché porti la gonnella, voi sapete quel che fa ...»?
Auf jeden Fall hatten, wie bekannt, die San ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Beau est noir et noir est beau – Schönheit ist schwarz, und das Schwarze ist schön.» Raunende Weisheiten dieser Art durchziehen das Textbuch zu «Macbeth Underworld», das der Schriftsteller Frédéric Boyer für Pascal Dusapin gedichtet hat. Boyer ist vertraut mit den alten, den ewigen Wahrheiten: Als Übersetzer hat er sich in die Bibel, die Bekenntnisse des heiligen...
Der Frankenstein-Stoff ist derzeit schwer en vogue: In der Nebenspielstätte «Tischlerei» der Deutschen Oper Berlin kam 2018 Gordon Kampes collageartiges Musiktheater zur Uraufführung, kurz darauf folgte auf Kampnagel (als Auftragskomposition der Hamburgischen Staatsoper) Jan Dvořáks Version, basierend auf einer Schauspielmusik, die er 2014 für das Theater Basel...
Da geistert eine Figur durchs Geschehen, die haben sie in den Proben den «Tod» genannt. Später heißt er Hippolyte. Er taucht bald hier auf, bald dort. Verschwindet wieder, ist nicht greifbar. Geheimnisvoll, gespenstisch wird er zur heimlichen Hauptperson, zum Stichwortgeber, zum Drahtzieher. Der Tod, das muss ein Wiener sein? Man spielt den «Rosenkavalier» von...
