Nachtseiten
Die Romantik lässt uns nicht los. Aufklärung und Vernunft werden zu niedrigeren Kursen notiert. Die kommenden Salzburger Festspiele wollen deshalb vor allem die Nachtseiten der Vernunft erforschen. Das Liedschaffen der Komponisten jener Zeit bildet gleichsam den Brennpunkt der Romantik: Schuberts «Winterreise» als zentrales Werk romantischer Empfindungen, Leiden, Hoffnungen, Sehnsüchte, Todesahnungen. Von Liszt stammt das Wort von den «Miniatur-Opern» in Schuberts Liedern.
Viele Regisseure, Herbert Wernicke oder Christoph Marthaler an der Spitze, haben für Schuberts Lieder-Zyklen szenische Gestaltungen erfunden. Hans Zender schrieb zur «Winterreise» eine «Komponierte Interpretation» für kleines Orchester. Günter Bialas komponierte auf Gedichte und Texte Heinrich Heines sein Lieder-Spiel «Aus der Matratzengruft». Das alles nur als eine kleine Beispielsammlung.
Zuvor allerdings hatte Mauricio Kagel schon die deutsche Romantik für sich entdeckt, genauer: das romantische Lied und hier besonders die Texte. Er schrieb seine Lieder-Oper «Aus Deutschland». Dabei drang er tief in die Seelenfalten der deutschen Romantik ein. Fragmente von Musik und Dichtung funktionieren als Versatzstücke. ...
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Für die Toulouser Neuproduktion von «Tristan und Isolde» baute Andreas Reinhardt eine dreiteilige Bühnenfläche bis nach vorn an die Rampe. Da sich der erste Akt bekanntlich auf dem Meer abspielt, wankten und schwankten die drei spitzwinkligen Formen mal weniger, mal heftiger, so dass man denken konnte, alsbald müssten die Protagonisten seekrank sein. Solche...
Der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas «hineingelegt» hätte, sei ihr stärkstes Lob, ätzte Karl Kraus. Denn nur in Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel liege, ließe sich beim besten Willen nichts hineinlegen. Er schrieb dies freilich nicht über Händels «Giulio Cesare in Egitto», sondern 1906 zu Wedekinds Lulu-Stücken. Damals war Händel ja auch kein...
Der Tod kommt im Leben nicht vor. Er steht am Rande, ein Wartender. Nicht jedem ist dieser Wartende willkommen. Und auch in der Oper mag mancher dieses Sterben nicht miterleben; deswegen vor allem kam das lieto fine in die Welt. Der Beispiele für dieses versöhnende Schlusstableau sind es zahlreiche. Eines davon datiert vom 17. November 1866, als die Oper «Mignon»...
