Rückkehr ins Leben
Lazarus, come forth!» Kurz zuvor rauschte noch das Tamtam bedrohlich auf als düsteres Todessymbol, nun scheint der Boden zu erzittern: Tremolierende Kontrabässe und gestopfte Hörner lassen einen ungeheuren, gleichwohl noch fernen Wind brausen.
Der Menge steht darob der Mund offen: Der Chor singt ohne Text und dreht die Spannungsschraube noch einmal weiter, wenn die drei hohen Solostimmen Jesu Worte skandieren, dreimal, in süßen Dissonanzen: «Lazarus, come forth!» Und dann? Ein schauderhaftes Greinen und Jaulen in den Streichern setzt ein, Wehlaute durchschneiden den Klangraum, dem Chor stehen gleichsam die Haare zu Berge: «And he that was dead came forth», meldet die Dreieinigkeit aus den drei hohen Stimmen, die als Evangelist zugleich aber als real nicht vorhandener, überpersönlicher Jesus auftritt.
Doch nein, auf der Bühne gibt es dazu weder Hollywood-Bibelkitsch noch Oberammergau-Ergriffenheit, sondern einen großen Container mit verschiebbaren Außenwänden, der zumal in den Zwischenspielen (hübsch anzusehen) auf der Drehbühne zu kreisen beginnt. Lazarus wurde auf einem Tisch zur Ruhe gebettet – und tatsächlich regt sich bald etwas in dem weißen Bündel. Die Umstehenden befreien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Walter Weidringer
Tenor oder Bariton, das ist hier die Frage. Und als solche nicht ganz so leicht zu beantworten, wie es sich mancher Purist mit ausgeprägter Neigung zu hohen Stimmen vielleicht wünschte. Denn wo in anderen Fällen der Wille des Komponisten als ultima ratio zu gelten hat, ist bei Jules Massenets Drame lyrique «Werther» die Faktenlage etwas uneindeutig. Zwar...
Der renommierteste «Flying Man» der Briten ist eine Dampf -lokomotive: «The Flying Scotsman», der auch die USA und Australien bereiste und per Schiff sogar die Welt umkurvte, wurde im vergangenen Jahr zu seinem 100-jährigen Jubiläum vom nationalen britischen Eisenbahnmuseum in York restauriert. Von hier aus ist der Weg nicht weit zum Titelhelden von Wagners...
Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich...
