Rückkehr ins Leben
Lazarus, come forth!» Kurz zuvor rauschte noch das Tamtam bedrohlich auf als düsteres Todessymbol, nun scheint der Boden zu erzittern: Tremolierende Kontrabässe und gestopfte Hörner lassen einen ungeheuren, gleichwohl noch fernen Wind brausen.
Der Menge steht darob der Mund offen: Der Chor singt ohne Text und dreht die Spannungsschraube noch einmal weiter, wenn die drei hohen Solostimmen Jesu Worte skandieren, dreimal, in süßen Dissonanzen: «Lazarus, come forth!» Und dann? Ein schauderhaftes Greinen und Jaulen in den Streichern setzt ein, Wehlaute durchschneiden den Klangraum, dem Chor stehen gleichsam die Haare zu Berge: «And he that was dead came forth», meldet die Dreieinigkeit aus den drei hohen Stimmen, die als Evangelist zugleich aber als real nicht vorhandener, überpersönlicher Jesus auftritt.
Doch nein, auf der Bühne gibt es dazu weder Hollywood-Bibelkitsch noch Oberammergau-Ergriffenheit, sondern einen großen Container mit verschiebbaren Außenwänden, der zumal in den Zwischenspielen (hübsch anzusehen) auf der Drehbühne zu kreisen beginnt. Lazarus wurde auf einem Tisch zur Ruhe gebettet – und tatsächlich regt sich bald etwas in dem weißen Bündel. Die Umstehenden befreien ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Walter Weidringer
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