Rückkehr ins Leben

Adams: The Gospel According to the Other Mary an der Volksoper Wien

Opernwelt - Logo

Lazarus, come forth!» Kurz zuvor rauschte noch das Tamtam bedrohlich auf als düsteres Todessymbol, nun scheint der Boden zu erzittern: Tremolierende Kontrabässe und gestopfte Hörner lassen einen ungeheuren, gleichwohl noch fernen Wind brausen.

Der Menge steht darob der Mund offen: Der Chor singt ohne Text und dreht die Spannungsschraube noch einmal weiter, wenn die drei hohen Solostimmen Jesu Worte skandieren, dreimal, in süßen Dissonanzen: «Lazarus, come forth!» Und dann? Ein schauderhaftes Greinen und Jaulen in den Streichern setzt ein, Wehlaute durchschneiden den Klangraum, dem Chor stehen gleichsam die Haare zu Berge: «And he that was dead came forth», meldet die Dreieinigkeit aus den drei hohen Stimmen, die als Evangelist zugleich aber als real nicht vorhandener, überpersönlicher Jesus auftritt.

Doch nein, auf der Bühne gibt es dazu weder Hollywood-Bibelkitsch noch Oberammergau-Ergriffenheit, sondern einen großen Container mit verschiebbaren Außenwänden, der zumal in den Zwischenspielen (hübsch anzusehen) auf der Drehbühne zu kreisen beginnt. Lazarus wurde auf einem Tisch zur Ruhe gebettet – und tatsächlich regt sich bald etwas in dem weißen Bündel. Die Umstehenden befreien ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
In der Vorhangfalte

Die Oper aller Opern – es ist eine viel zitierte Platitüde zu Mozarts unverwüstlichem Wüstling. Das Stück ist aber schwer zu inszenieren und zu musizieren. Schon Johannes Brahms meinte, wolle man einen gelungenen «Don Giovanni» erleben, müsse man in die Partitur schauen. Ganz so schlimm kommt es im Schwetzinger Schlosstheater nicht, dem sommerlichen Spielort des...

Da lacht das Montags-Abo

Wissen die Frauen alles? Oder ist die Verkleidung der Kerle perfekt? Oder lassen sie doch wenigstens eine kleine Ahnung erahnen? Es ist, so scheint es aus Sicht der Regie, das zentrale Problem von «Così fan tutte». Dabei ist die Sache so simpel wie szenisch kompliziert: Man weiß es einfach nicht. Die Genialität von Mozarts und Da Pontes letztem Geniestreich liegt...

Ewig jung

All die vielen kleinen Motive, die Leoš Janáček dem Duktus des Tschechischen abgelauscht und in rhythmische Floskeln, gackernde Holzbläsereinwürfe und prägnante Melodien übersetzt hat, rauschen sprechend an uns vorüber – mitunter in manischer Erregtheit, dann auch mal mit versteckter Hinterlist. Dirigent Alexander Joel hat mit dem Orchestre de l’Opéra de Lyon...