Editorial Opernwelt 8/24
Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich erstaunliche Verbindungen, allerdings in Form eines Widerspruchs. Einerseits blickt das Fernsehpublikum in die Röhre (und bleibt die Röhre im Radio kalt), andererseits gibt es eben solche Sachen wie «For the Drama».
Man will ja niemandem zu nahe treten, aber die künstlerischen Leistungen sind doch mehr als überschaubar; was man aber keine Sekunde lang glauben mag, ist, dass Marie Nasemann (Rosa) und Eidin Jalali (Gabriel), abgesehen von ihrem bescheidenen schauspielerischen Talent, jemals auch nur einen Ton aus einer Oper gesungen haben. Das Storyboard (früher: Drehbuch) will es aber nun, dass sie in der Liebesgeschichte, die hier erzählt wird, die Cover von Diana Damrau und Georg Nigl sind – in jener «Fledermaus»-Inszenierung von Barrie Kosky, die Ende 2023 ihre Premiere an der Bayerischen Staatsoper feierte. Fiktion und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Wissen die Frauen alles? Oder ist die Verkleidung der Kerle perfekt? Oder lassen sie doch wenigstens eine kleine Ahnung erahnen? Es ist, so scheint es aus Sicht der Regie, das zentrale Problem von «Così fan tutte». Dabei ist die Sache so simpel wie szenisch kompliziert: Man weiß es einfach nicht. Die Genialität von Mozarts und Da Pontes letztem Geniestreich liegt...
Hoher Besuch sorgt stets für Aufregung. Wobei die Spekulationen darüber, was dem Gast gefallen könnte, zu einem steilen Crescendo anschwellen können. Aus der historischen Tatsache, dass sich Kaiserin Maria Theresia 1750 in Graz ankündigte, dann aber doch nur durchreiste, machte das Grazer «Styriarte»-Festival nun einen als «Rokoko-Soap» angekündigten Doppelabend,...
Tenor oder Bariton, das ist hier die Frage. Und als solche nicht ganz so leicht zu beantworten, wie es sich mancher Purist mit ausgeprägter Neigung zu hohen Stimmen vielleicht wünschte. Denn wo in anderen Fällen der Wille des Komponisten als ultima ratio zu gelten hat, ist bei Jules Massenets Drame lyrique «Werther» die Faktenlage etwas uneindeutig. Zwar...
