Romantischer Trash
Noch bis vor kurzem galten die Bilder aus dem alten Russland oder wenigstens die Anmutungen einer brüchig tradierten Bürgerwelt als Garanten dafür, dass Tschaikowskys Lyrische Szenen zu Puschkins Versroman «Eugen Onegin» ihre Theaterpoesie entfalteten: Peter Stein hatte zuletzt in Lyon viel kunsthandwerkliche Präzision im bürgerlichen Realismus aufgeboten, Andrea Breth in Salzburg die seelische Feinmotorik im fragilen Kammerspiel vier junger Leute vorgeführt. Gefeiert wurden beide für ihre Arbeit.
Dagegen stand Krzysztof Warlikowski auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters am Ende reichlich irritiert da, fremd mitten im frenetischen Applaus für die Künstler um Kent Nagano, und wunderte sich über die Buhrufe. Der schlaksige Mann wirkte müde, leicht zerrupft, versuchte freundlich-trotzig zurückzuwinken. Zum ersten Mal hat Warlikowski, der 1962 in Stettin geborene Theaterregisseur, jetzt an einem deutschen Opernhaus inszeniert. Vor sieben Jahren war er angetreten, sich mit Oper zu beschäftigen, Aufsehen damit erregte er aber erst an der Bastille-Oper Gerard Mortiers, mit Glucks «Iphigenie auf Tauris» und Janáceks «Sache Makropulos».
Von Anfang an herrscht, wenigstens für ...
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2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von...
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt...
Taugt das Metier der Oper als Mahnmal? Die Initiatoren der Uraufführung «Dunkelrot» bestreiten energisch, dass es ihnen mehr um ein gesellschaftspolitisches Signal als um die innere Dynamik des Musiktheaters ging. Ein riskanter Versuch war es allemal, den das Nürnberger Staatstheater im Dienste der als «Stadt der Menschenrechte» alle zwei Jahre an die...
