«Leuchtend in eure Herzen gehen»
Ähnelt die Turnhalle mit täuschend echt markiertem Parkettboden, den Mathis Neidhardt für Engelbert Humperdincks «Königskinder» in Zürich ausgelegt hat, nicht dem Klassenzimmer, in dem Peter Konwitschny seinen spektakulären Hamburger «Lohengrin» spielen ließ? Doch ein solches Zitat ist erlaubt, wenn man das Märchen-Libretto der «Königskinder» so gründlich und wach ausleuchtet wie Herzog, ohne es auf eine Kernbotschaft zu reduzieren – mit sensibler Fantasie und psychologischem Gespür.
Gleich im ersten Akt wird dieser multiperspektivische Blick deutlich: Die Hexe (sehr markant und scharfzüngig: Liliana Nikiteanu) hockt nicht im finstren Wald, sondern in besagter Turnhalle, eine Laborantin in Persilweiß, die in Blumentöpfen Cannabis zieht. Die Gänsemagd (im Verlauf des Abends lyrisch aufblühend: Isabel Rey), ein scheues Mädchen, leidet unter ihrer Kuratel: Die Gänse, die sie hüten darf, sind bloß aus Papier, und das vergiftete Brot backt die Magd auf Geheiß der sie terrorisierenden «Großmutter». All dies vermittelt sich sehr plastisch und sehr konkret. Und doch bleibt stets klar: Es geht in den «Königskindern» (wie in jedem Märchen) nicht nur um eine unheilvolle Kindergeschichte, ...
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