Bürger- und andere Kriege
Manchmal schreibt das Leben die schönsten Pointen. Als Philip Glass von David Gockley den Auftrag bekam, eine Oper über das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs zu schreiben, ahnten beide wohl kaum, dass diese Chronik einer Kapitulation in einem War Memorial Opera House uraufgeführt werden würde. Der innovationsfreudige Gockley, der sich in seiner langen Zeit als Chef der Houston Grand Opera immerhin fünfunddreißig Uraufführungen gutschreiben konnte, brachte diesen Kompositionsauftrag mit, als er 2006 Chef in San Francisco wurde.
Es wird nicht die einzige Innovation bleiben, denn für den kommenden Herbst kündigt die San Francisco Opera bereits die nächste Uraufführung an: Stewart Wallace (auch in Europa durch «Harvey Milk» bekannt) soll Amy Tans Bestseller «The Bonesetter’s Daughter» vertonen.
Mit Philip Glass hat Gockley bereits in Houston zusammengearbeitet. Dort präsentierte er die Uraufführung der Science-Fiction-Oper «Making of the Representative for Planet 8» nach Doris Lessing und die Amerika-Premiere von «Echnaton». Geschichte als Opernstoff ist Glass gut vertraut. Er hat den Freiheitskämpfer Gandhi besungen («Satyagraha») und die Entdeckung Amerikas reflektiert («Voyage»). ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Regisseurin von Filmen wie «Orlando» oder «The Tango Lesson» genießt Sally Potter Kultstatus. Nun gab sie an der English National Opera mit Bizets «Carmen» ihr Regiedebüt im Musiktheater. Die Produktion eröffnete die neue (manche Beobachter fürchten: letzte) Spielzeit der ENO. Potter, die ihre Karriere als Tänzerin begann, meinte eines der mit diesem Stück...
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter...
