Romantische Doppelspitze
Kunstwerke stünden einander fern durch Vollendung – so heißt es bei dem etwas aus der Mode gekommenen Walter Benjamin. Der Satz bleibt aber wahr, denn einen Beethoven mit Schubert zu vergleichen oder einen Mahler mit Strauss, das verbietet sich als sinnloses, nämlich resultatloses Bemühen. Man endet bestenfalls bei Geschmacksurteilen. Interessant wird es, wenn kleinere Kunstwerke verglichen werden; im Falle von Fanny Hensel und Clara Schumann ist das, auch im Hinblick auf die prägenden Männer in ihrem Leben, geradezu unvermeidlich.
Insofern bietet die neue Aufnahme nicht nur einen außerordentlichen Hörgenuss, sondern die Möglichkeit, scheinbar festgezurrte (veraltete) Ansichten zu überprüfen.
Für den Hörgenuss ist Bettina Pahn zuständig. Man merkt ihr sofort an, dass sie vom Barock kommt und nicht von der Opernbühne des 19. Jahrhunderts; lyrisch klar, auf bewundernswerte Weise textverständlich, wenig Vibrato, aber wirkungsvolle Glissandi selbst in Hensels volksliedhaft schlichtem «Was will die einsame Träne». Fannys Gesänge mit elegischer Tendenz («Schwanenlied», «Lebewohl») hinterlassen überhaupt den tiefsten Eindruck, sind sie auch konventioneller in Stimme und Begleitung als ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Volker Tarnow
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