Himmelblau
Die Opernstadt Nancy macht von sich Reden, seit Intendant Matthieu Dussouillez dort etwas wagt. Gleich bei seinem Antritt 2019 hat er eine directrice musicale inthronisiert: Marta Gardolińska. Das Programm ist charmant, kalkulierte Wagnisse, wie etwa Paderewskis «Manru», inbegriffen. In Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» zum Saisonauftakt debütiert Marie Jacquot am Pult, Regie führt Anna Bernreitner, die mit ihrem Kollektiv «Oper rund um» gerne an ungewöhnlichen Orten inszeniert.
Strauss’ «Fledermaus» etwa ließ sie in sämtlichen Wiener Schwimmbädern im Badeanzug spielen. Jacquot, die demnächst an der Komischen Oper Berlin debütiert und von der Königlichen Oper in Kopenhagen umworben wird, meistert in Nancy mit Verve und Witz sämtliche Überraschungsmomente der Partitur. Die rasanten Tempo- und Stimmungswechsel kostet Jacquot nonchalant aus, mischt perfekt den Klang der Blechbläser, führt ein sängerisch wie spielerisch perfektes Ensemble (herausragend: Lucie Roche als Clarice) durch die musikszenischen Turbulenzen und hat auch den großartigen Opernchor fest im Griff. Die Covid-Erkrankung des Roi-Trèfle-Sängers wird von der Seite singend aufgefangen. Matthieu Lé-croart bewegt sich ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Sabine Weber
Der Orchestergraben ist geschlossen, die vordersten Reihen im Parkett sind herausgenommen, die Musikerinnen und Musiker gehen in einer langen Reihe durch den Zuschauerraum zu ihren Plätzen. Sie sind es, die an diesem Abend die Hauptrolle spielen und – im Zusammenwirken mit der suggestiven Inszenierung von Evgenia Safonova, die in Perm als Musiktheaterregisseurin...
Alles ist anders. Kein Zimmer des Hauptmanns, kein rasierender Wozzeck, kein Spiegel. Auch nicht das Streicher-Glissando und die kecke Oboe, mit denen Alban Berg seine Jahrhundertoper einleitet. Stattdessen erklingt der erste Teil des berühmten letzten Orchester-Zwischenspiels, das der Komponist als Requiem auf seine Titelfigur verfasst hat. Der Freiburger...
Als Heribert Germeshausen 2018 die Dortmunder Intendanz übernahm, gehörte zu seiner Vision einer «Ruhr-Oper 21» auch die Kontextualisierung von Wagners Musikdramen mit ihren französischen Vorläufern und Zeitgenossen. Diesen «Wagner-Kosmos», der 2020 starten sollte, wirbelte ihm die Corona-Pandemie gründlich durcheinander. Aubers Grand-Opéra «La Muette de Portici»...
