Im Westen nichts Neues
Eine Ansage vor dem geschlossenen Vorhang verheißt selten etwas Gutes. In Essen muss die neue Intendantin Merle Fahrholz vor der Premiere von «Lucrezia Borgia» gleich mehrere krankheitsbedingte Umbesetzungen verkünden, darunter auch die zweier tragender Partien: Anstelle von Jessica Muirhead übernimmt Marta Torbidoni die Titelrolle, und statt Almas Svilpa verkörpert Davide Giangregorio deren Gatten Don Alfonso.
Glück im Unglück: Immerhin kennen sich beide und Tenor Francesco Castoro, der Darsteller von Lucrezias Sohn Gennaro, aus einer Produktion am Teatro Comunale di Bologna im März 2022.
Tatsächlich geht der Abend musikalisch trotz der Besetzungsturbulenzen unter der straffen, inspirierten Leitung des designierten Generalmusikdirektors Andrea Sanguineti unfallfrei über die Bühne. Sanguineti dirigiert nachgiebig, vermeidet allzu plakative Effekte (mit denen Donizettis Partitur reich gesegnet ist), geht aber verständlicherweise nicht ins Risiko. Gesanglich bleiben vor allem die Einspringer ihren hoch anspruchsvollen Partien nichts schuldig; ein echtes Belcanto-Hochgefühl will sich jedoch nicht einstellen. Torbidonis Lucrezia klingt zunächst unfokussiert, später routiniert und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Regine Müller
Große Romantische Oper in drei Aufzügen» – so untertitelte Richard Wagner seinen «Fliegenden Holländer» (1843). «Romantik»: Das könnte in diesem Falle auf «Dunkelheit», «Nebel» und «Traum» verweisen. «Wüsst ich, ob ich wach‘ oder träume?» – so fragt schon Daland im ersten Aufzug. Die Geschichte ist doch recht platt: Ein Untoter (der Holländer) will endlich...
Am Ende, wenn nach guten drei Stunden der Saal des Opernhauses zu Lille in orangerotem Licht erglüht, geschieht das bislang Ungesehene. Beim Auftritt der Solistinnen und Solisten herrscht ein Getrampel und Gejubel auf der Bühne, das seinesgleichen sucht. Dafür verantwortlich zeichnen Heerscharen von Kindern und Jugendlichen, die bei dieser Aufführung herausragend...
Oper, das war im 18. Jahrhundert vergängliche Gebrauchskunst. Ungewöhnlich genug also, dass Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern ihre «Talestri, regina delle Amazzoni» bald nach der Uraufführung 1763 in Dresden drucken ließ. Und noch etwas ist ungewöhnlich an der Oper innerhalb ihrer Epoche: die stringente, alle Fäden psychologisch stimmig zusammenführende...
