Romantik und Rebellion

Bizet: Die Perlenfischer
Gelsenkirchen | Musiktheater im Revier

Opernwelt - Logo

Gut möglich, dass sie sich dieses erste Bild bei Penny Woolcocks für die ENO in London und die New Yorker Met entwickelte Inszenierung der «Perlenfischer» abgeschaut haben. In Gelsenkirchen kommt es eine Nummer kleiner, aber ähnlich suggestiv. Wir sehen, als wäre das Musiktheater im Revier ein Aquarium, einen Taucher ins tiefe Blau hinabdringen; zusammen mit Bizets ohrenschmeichelnden Klängen ist das sofort ein magischer Moment. Der Dirigent Giuliano Betta interessiert sich für die zarten Farben dieser Musik, hält die Neue Philharmonie Westfalen von grellem Exotismus fern.

Bei aller Bewunderung für das feine Flimmern und Schimmern, das Tremolieren der Seelentöne, die Bizet da zehn Jahre vor «Carmen» dieser Dreiecksgeschichte unter ceylonesischen Perlenfischern abgehört hat, vergisst sich leicht, dass die Instrumentation nur aus dem Klavierauszug rekonstruiert ist. Jede Aufführung der «Perlenfischer» steht auf unsicherer Textgrundlage. Man merkt es in Gelsenkirchen auch daran, dass das vielgeliebte Freundschaftsbeschwörungsduett der Liebesrivalen Nadir und Zurga nach dem kurzen Eifersuchts-Mittelteil nicht wieder in die Phantasmagorie des Anfangs – Vision der göttlichen Erscheinung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Konventionell

Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt,...

Auf die Mischung kommt es an

Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das program­matisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...

Treibende Dramatik

Hans Gál (1890-1987) gehört zu den vielen, von den Nazis vertriebenen Künstlern, denen es nicht gelang, nach 1945 wieder im Musikbetrieb Fuß zu fassen. Der stilkonservative Spätromantiker, der wie Walter Braunfels und Erich Wolfgang Korngold an der erweiterten Tonalität festhielt, entsprach nicht mehr den Erwartungen der Zeit. Inzwischen liegt ein Großteil seines...