Wiener Broadway
Die Welt ist ein Karussell, und immer wieder tanzen die gleichen geisterhaften Schemen vorbei. Ein langes Menschenleben ist vergangen, seitdem das Reichs-Hinkebein «Wollt ihr den totalen Krieg?» krähte und Millionen Schafe «Ja» blökten. Man dachte, solche Szenen seien für immer im Gruselkabinett der Vergangenheit verschwunden, doch acht Jahrzehnte später scheint Brechts Sentenz «Der Schoß ist fruchtbar noch» ungebrochen aktuell. Erneut muss man befürchten, dass ein von rechtsaußen gesteuertes «Volk» etwa bestimmt, was Kunst sei und was nicht.
1938 haben solche Tendenzen den jungen, hochbegabten, aus Lemberg stammenden Komponisten Joseph Beer (1908-1987) ins Abseits gedrängt. Richard Tauber hätte die Wiener Erstaufführung von Beers Operette «Polnische Hochzeit» adeln sollen, die 1937 bei ihrer Weltpremiere in Zürich enormen Erfolg hatte und vielfach nachgespielt wurde. Doch nach der Annexion Österreichs hatten die Nazis größte Eile, das «jüdische Machwerk» zu verbieten. Beer selbst emigrierte nach Frankreich, gehörte jedoch zu den Vergessenen. Erst 2015 konnte man dank der Schallplatteneinspielung einer konzertanten Wiederaufführung im Münchner Prinzregententheater (mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Gerhard Persché
Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in...
Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das programmatisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...
Der Mond leuchtet über Illyrien. Zwar nur mattglänzend, aber doch hell genug, um eine Prise surrealer Schönheit auf die Szene zu streuen. Was auch dringend geboten erscheint: Ehedem ein Eiland der Glückseligen, Zauberer und Fantasten, ist der magische Ort arg heruntergekommen: keine Palmen, keine rauschenden Wellen, keine sanften Dünen, nichts davon. Dafür ein...
