Hochspannung

Verdi: Rigoletto
Rom | Teatro dell’Opera

Opernwelt - Logo

Gilda und Rigoletto belauschen von draußen, wie sich der Herzog in der Wirtsstube an Maddalena heranmacht: Die zentrale Quartett-Szene im dritten Akt fasst simultanes Geschehen in getrennten Räumen musikalisch zusammen und bringt das Drama damit auf den Punkt. Denn Gilda ist nun gezwungen zu erkennen, wer ihre Entführung aus dem väterlichen Haus veranlasst hat – um sexuell über sie verfügen zu können.

Dieser Blick durch Wände auf die Wahrheit wird in der Inszenierung Daniele Abbados, die zunächst in konventionellen Bahnen verläuft, symbolisch mitvollzogen.

Der realistisch-düstere, aus Mauern, Treppen, Räumen komponierte Schauplatz (Bühne und Licht: Gianni Carluccio) verflüchtigt sich: Wände, die zuvor isolierten und schützten, verschwinden nach und nach oder werden durchsichtig. Am Ende steht nur noch eine Haustür in der Bühnenmitte – letztes Rudiment eines umschlossenen Raums; doch selbst diese Requisite wird nicht mehr realistisch bespielt: Sparafucile tritt mit Gildas leblosem Körper nicht durch diese Pforte, er läuft an ihr vorbei.

Abbado geht es hier nicht mehr um eine durch Verstellung überformte Realität, sondern um die (Un-)Wahrhaftigkeit menschlicher Beziehungen. Dank ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Richard Erkens

Weitere Beiträge
Impressum Februar 2019

60. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752319

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opernw...

Pionieraufnahmen für den West-Markt

Das amerikanische Label RCA war zu Beginn der 1950er-Jahre der Pionier stereofoner Orchester-Aufnahmen. Decca setzte wenig später in Europa Maßstäbe bei Opernproduktionen mit der neuen Technik. Jahrzehnte garantierte das in diesen Jahren entwickelte Mikrofon-Modell, der Decca-Tree, der Firma technische überragende Einspielungen. Zwei berühmte Beispiele der jungen...

Klingende Kulissen

Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...