Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn
Russisch-orientalisches Märchenspiel oder politische Farce? Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» bietet die beiden Schichten fast deckungsgleich, und so stellt sich für jeden Regisseur die Frage, ob das eine, ob das andere auf der Agenda steht. Die Versuchung des Politischen ist meist größer als die des Märchens. So auch in Kassel, wo Andrea Schwalbach die Oper ins provisorische Kuppeltheater brachte. Das Rund des Zuschauerraumes wird auf der Bühne aufgenommen, wo sich die Tribünen in Form roter Sessel fortsetzen und zum Kreis schließen.
Die Adepten des Zaren lesen die Morgenpresse, auf der das Konterfei des Herrschers prangt. Endzeitstimmung.
Der Hahn, von dessen tierischem Wesen nur noch ein hennaroter Schopf übrig ist und der statt in einem Käfig auf einem hinauffahrbaren Regiestuhl Platz nimmt, wird als Erlöser willkommen geheißen. Märchenhaftes ist in die Träume des Herrschers zurückgedrängt. Erst die aus einer Blume erscheinende Königin von Schemacha mischt den Laden auf, führt sie doch einen Trupp Mädchen aus dem Rotlichtbezirk mit sich – mit dem gewünschten Erfolg: Der Zar wird ihr hörig. Zwar tut der Hahn seinen Dienst und lässt die Feinde verschwinden, doch der Zar hält sich ...
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