Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn

Kassel

Opernwelt - Logo

Russisch-orientalisches Märchenspiel oder politische Farce? Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» bietet die beiden Schichten fast deckungsgleich, und so stellt sich für jeden Regisseur die Frage, ob das eine, ob das andere auf der Agenda steht. Die Versuchung des Politischen ist meist größer als die des Märchens. So auch in Kassel, wo Andrea Schwalbach die Oper ins provisorische Kuppeltheater brachte. Das Rund des Zuschauerraumes wird auf der Bühne aufgenommen, wo sich die Tribünen in Form roter Sessel fortsetzen und zum Kreis schlie­ßen.

Die Adepten des Zaren lesen die Morgenpresse, auf der das Konterfei des Herrschers prangt. Endzeitstimmung.
Der Hahn, von dessen tierischem Wesen nur noch ein hennaroter Schopf übrig ist und der statt in einem Käfig auf einem hinauffahrbaren Regiestuhl Platz nimmt, wird als Erlöser willkommen geheißen. Märchenhaftes ist in die Träume des Herrschers zurückgedrängt. Erst die aus einer Blume erscheinende Königin von Schemacha mischt den Laden auf, führt sie doch einen Trupp Mäd­chen aus dem Rotlichtbezirk mit sich – mit dem gewünschten Erfolg: Der Zar wird ihr hörig. Zwar tut der Hahn seinen Dienst und lässt die Feinde verschwinden, doch der Zar hält sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Johannes Mundry

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tschaikowsky: Eugen Onegin

Es war kein Abend des Bühnenbildners. Ein zum Käfig umfunktioniertes Bett­gestell für Tatjanas Briefszene und ein schmaler Steg für das Duell sind die einzigen nennenswerten «Bauten» in David Hermanns Inszenierung von «Eugen Onegin». Es sind die Menschen, die die Bühne beherrschen: ihre Unfähigkeit sich zu begegnen, die unausgesprochenen Sehnsüchte, die...

Editorial

Wenn es um der Menschheit liebste runde Sache geht, stürmt Plácido Domingo meist in der ersten Angriffsreihe. Ehedem lieferten ihm José Carreras und Luciano Pavarotti dabei vokale Steilvorlagen, doch notfalls schaukelt er das Ding auch als einzige Spitze. Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni gibt Domingo im alten Münchner...

Bayreuther Puppenkiste

Frech ist der Mann ja: Während seine Regisseurskollegen an den Opernhäusern der Welt unter dem schier unerfüllbaren Anspruch ächzen, eine gegenwartstaug­liche Perspektive für Wagners «Ring»-Tetralogie zu finden, wirft der sechsunddreißigjährige Stefan Herheim kurzerhand das Werk, seinen Schöpfer und die gesamte Rezeptionsgeschichte von Nietzsche über Hitler bis zu...