Rigoletto in der Todesfabrik
Wenn die Wiener Philharmoniker am Neujahrstag ihr traditionelles Walzerkonzert geben, bleibt bei Zofia Posmysz in Warschau der Fernseher aus. Während die halbe Welt am heimischen TV-Schirm der schönen blauen Donau und dem obligatorischen Kaisermarsch entgegenfiebert, kann die Journalistin und Buchautorin dem Glück im Dreivierteltakt nicht viel abgewinnen.
Im Gegenteil: Die Melodien der Strauß-Dynastie und ihrer Epigonen, all diese nach Kaffeehaus und Ballsaal duftenden Zuckerstücke, all diese beschwingten, im edlen Frack vorgetragenen Charme-Offensiven sind ihr fremd geworden – damals, als sie fast noch ein Mädchen war. Walzer kann sie kaum ertragen. Erst recht nicht die bis heute populären Schlager der Ufa-Ära: Theo Mackebens «Nur nicht aus Liebe weinen» oder Peter-Kreuder-Hits wie «Ich brauche keine Millionen» und «Für eine Nacht voller Seligkeit». Für Zofia Posmysz ist das nicht irgendeine Musik. Es sind Töne, die ihr in einer Hölle begegneten. In der Hölle von Auschwitz.
«Wissen Sie, wo ich das Quartett aus Verdis ‹Rigoletto› zum ersten Mal gehört habe? In der sogenannten ‹zentralen Sauna› des Lagers Birkenau. Stellen Sie sich das einmal vor! Vier Frauen haben es gesungen. Zwei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Offenbach – das ist selbst für Fachleute immer noch allein der Schöpfer des «Hoffmann» und der Offenbachiade, der satirischen Operette. Erst allmählich dämmert es, dass sein neben vielem anderen über 110 Bühnenwerke verzeichnender Œuvre-Katalog (die zum Teil erheblich abweichenden Zweit- und Drittfassungen einzelner Werke nicht mitgezählt) von einer ungeahnten...
Herr Saccà, im «Fernen Klang» spielen Sie einen Komponisten, der von seiner Musik besessen ist. Sind Komponisten im wirklichen Leben auch so?
Ich habe bisher nur einen Komponisten besser kennengelernt: Herbert Willi, dessen Oper «Schlafes Bruder» ich in Zürich uraufgeführt habe. Auf den traf das Bild, das Schreker zeichnet, voll zu: Er hat wie besessen dieses...
Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
