Rigoletto in der Todesfabrik
Wenn die Wiener Philharmoniker am Neujahrstag ihr traditionelles Walzerkonzert geben, bleibt bei Zofia Posmysz in Warschau der Fernseher aus. Während die halbe Welt am heimischen TV-Schirm der schönen blauen Donau und dem obligatorischen Kaisermarsch entgegenfiebert, kann die Journalistin und Buchautorin dem Glück im Dreivierteltakt nicht viel abgewinnen.
Im Gegenteil: Die Melodien der Strauß-Dynastie und ihrer Epigonen, all diese nach Kaffeehaus und Ballsaal duftenden Zuckerstücke, all diese beschwingten, im edlen Frack vorgetragenen Charme-Offensiven sind ihr fremd geworden – damals, als sie fast noch ein Mädchen war. Walzer kann sie kaum ertragen. Erst recht nicht die bis heute populären Schlager der Ufa-Ära: Theo Mackebens «Nur nicht aus Liebe weinen» oder Peter-Kreuder-Hits wie «Ich brauche keine Millionen» und «Für eine Nacht voller Seligkeit». Für Zofia Posmysz ist das nicht irgendeine Musik. Es sind Töne, die ihr in einer Hölle begegneten. In der Hölle von Auschwitz.
«Wissen Sie, wo ich das Quartett aus Verdis ‹Rigoletto› zum ersten Mal gehört habe? In der sogenannten ‹zentralen Sauna› des Lagers Birkenau. Stellen Sie sich das einmal vor! Vier Frauen haben es gesungen. Zwei ...
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